Das 150jährige Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland im Jahre 1985 hat ihn unter Eisenbahnfreunden bekannt gemacht: Dipl.-Ing. Horst Troche. Er verstarb nach langer Krankheit am 29. April 2014 im Alter von 83 Jahren.

 

Geboren am 2. Februar 1931 in Diepholz, studierte er von 1950 bis 1955 Maschinenbau an der TH Darmstadt und trat nach einer Assistententätigkeit am dortigen Lehrstuhl für technische Mechanik im März 1959 als Bauassessor in den Dienst der Deutschen Bundesbahn. Wie damals für Führungskräfte der DB üblich, wurde er zunächst in verschiedenen Positionen herumgereicht: das Spektrum seiner Tätigkeiten reichte vom Leiter des Kraftwagenbetriebswerkes Frankfurt am Main über Abteilungsleiterposten in den AW Braunschweig und Witten, wo er auch Werkdirektor wurde, eine vorangegangene Zeit beim BZA Minden bis hin zu Führungspositionen in der zentralen Verwaltung der Werkstätten der DB.

Dort war er 1971 sozusagen angekommen, denn in diesem Bereich verblieb er bis zu seiner Pensionierung Ende 1994, als er sein Berufsleben mit dem Titel Ministerialrat abschloß. Mehrere Änderungen der Organisationsform des Werkstättenwesens bei der DB mußte er über sich ergehen lassen, stets in leitender Funktion - beeinflussen konnte er sie gleichwohl nicht. Als Anlagenverantwortlicher für alle Werke der DB wurde er bald zu einem geschätzten Fachmann für die Fahrzeugunterhaltung aller Bereiche.

Die Vorbereitungen und die Durchführung des Projektes "150 Jahre Deutsche Eisenbahnen" machten ihn dann nicht nur in der Fachwelt, sondern auch bei Eisenbahnfreunden bekannt. Leiter dieses Projektes bei der DB war aber nicht einmal er selbst, sondern Dr. jur. Jochen Dobring. Der war gut beraten, Horst Troche weitgehend freie Hand bei der Auswahl und der Aufarbeitung von DB-Fahrzeugen sowie der Gestaltung der Paraden in Nürnberg und der Ausstellung in Bochum-Dahlhausen zu lassen. Er konnte sich dabei auf die über Jahrzehnte gewachsene Erfahrung vieler Betriebs- und Werkstatteisenbahner stützen, die mit den präsentierten Fahrzeugen in der Regel noch im planmäßigen Betrieb zu tun hatten.

 

Sein Gestaltungswille als logische Folge seines Wissens und seiner Erfahrung machte dabei auch nicht vor Details halt - die bescheidene V 80 vor Umbauwagen als Eilzug war bis hin zu den korrekten Zuglaufschildern ebenso sein Werk wie der stolze Schürzenwagenzug mit der vom Schrottplatz geholten 01 1100. Das Ergebnis seines Wirkens konnte sich in jeder Hinsicht sehen lassen und ist unter Eisenbahnfreunden heute noch legendär, und folgerichtig ehrte ihn der BDEF für diese Leistung im Jahre 1986 mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.

Geschickt wußte Horst Troche auch die betriebsinternen Regelwerke der DB im Interesse der Jubiläumsveranstaltung und damit der Eisenbahnfreunde einzusetzen. Das unselige, von Ministerialdirigent Horst Binnewies veranlaßte Verbot des Einsatzes von Dampflokomotiven auf Strecken der DB war mit den zum Jubiläum vorgesehenen Fahrten im Raum Nürnberg ohnehin schon durchlöchert, doch konnte er mit der Probefahrt der im AW Kaiserslautern betriebsfähig hergerichteten 23 105 von Kaiserslautern nach Bad Münster am Stein noch eins draufsetzen: im Teilheft 20 der bei der DB damals unverändert gültigen DV 946 wurde bestimmt, daß "nach jeder Planausbesserung [...] eine Lastprobefahrt durchzuführen ist." Die Last waren am 30. Dezember 1984 dann rund 1.200 Eisenbahnfreunde, die innerhalb weniger Tage allein durch Mundpropaganda von der Fahrt erfuhren und den Probezug füllten.

Wann immer es sich einrichten ließ, stand Horst Troche zudem selbst am Regler von Museumsdampfloks oder den Führerpulten historischer Dieselfahrzeuge. Eine bravouröse Anfahrt mit der 38 1772 meisterte er ebenso souverän wie längere Fahrten mit einem VT 08, einem VT 11.5 oder einem Reichsbahn-SVT.

Über Jahrzehnte widmete er sich mit großem Einsatz der Erforschung der Eisenbahngeschichte. Einige der von ihm verfaßten Bücher sind Standardwerke geworden, so die Monographien über die 19 1001, die Akkumulatortriebwagen, die Köf II (mit Peter Große) und ganz besonders das über die Baureihe 03, dessen Horizont weit über die Beschreibung der Technik und den Betriebseinsatz dieser Lok hinausgeht - es ist ein Lehrbuch zur Dampfloktechnik geworden, in dem die Zusammenhänge und auch die Irrwege der Entwicklung einer Dampflokbaureihe dargestellt werden und das zur Pflichtlektüre heutiger Nachwuchs-Dampflokbetreiber gehören sollte.

Seine berufliche und private Erfahrung als Eisenbahner konnte er ab 2006 noch für einige Jahre in die Stiftung Deutsche Eisenbahn einbringen, für die er als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums wirkte.

Horst Troches Temperament bei Vorträgen und Diskussionen war berüchtigt und hat seinen Mitarbeitern wohl nicht immer Freude bereitet. Doch es zählte der Erfolg, und der war sichtbar und unbestritten. Unter den Eisenbahnfreunden, die ihn und sein Wirken kennenlernen durften, ist er zur Legende geworden.

Die Deutsche Bahn der Bahnreform war die seine nicht mehr, die Bahn der Controller, Betriebswirtschaftler und Quartalszahlen war auch für ihn nicht mehr die Bahn der Eisenbahner, die er liebte und für die er sich einsetzte. Nur der Tod seiner Frau Hanne vor einigen Jahren traf ihn noch tiefer.

Mit Horst Troche verlor die Bahn einen der Besten ihrer Zunft - und die Eisenbahnfreunde einen der Engagiertesten für ihr Hobby. Beiden, Eisenbahnern wie Eisenbahnfreunden gleichermaßen, wird er unvergessen bleiben.