Mit 120 Teilnehmern ist die 67. Museumsbahnertagung vom 24. bis 26. Oktober 2014 in Ebermannstadt in diesem Herbst sehr gut angenommen worden. Zum einen trug ein breit angelegtes Fachprogramm, das vielfältige Interessen abdeckte, zum guten Besuch der Veranstaltung bei, zum anderen fand sie in der reizvollen Landschaft Oberfrankens statt. Bei der Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) hatten sich bereits zehn Jahre zuvor einige der jetzt angereisten Museumseisenbahner zu einer früheren Tagung getroffen.

 

DFS-Vorsitzender Siegfried Fuchs ließ deshalb bei der Begrüßung der Tagungsteilnehmer auch nicht die gesamte Geschichte des 2014 40 Jahre alt gewordenen Vereins Revue passieren, sondern beschränkte sich auf die Zeit seit 2004. Sie ist geprägt von dem Gedanken an die Zukunftssicherung. Dazu gehören der Bau der Halle und die laufende Unterhaltung der 16 Kilometer langen Strecke sowie als eine besondere Herausforderung die Brücken. Erfreulicherweise erfahre der Verein viel Unterstützung, so Fuchs. Das war auch der eindeutige Tenor in den Grußworten von Bürgermeisterin Christiane Meyer: „Die Stadt bekennt sich ausdrücklich zur Bahn!“ Eine Bekundung, die sich wohl viele der Anwesenden auch für ihren Verein wünschen würden.

Ein filmisches Porträt der Museumsbahn hatte bereits am Freitagabend beeindruckt. Denn entgegen der Gewohnheit begann die Tagung bereits vor dem ersten gemütlichen Teil mit einer kurzen Gesprächsrunde über „EVU, Halter, Sicherheitsbescheinigung und Sicherheitsmanagement“ unter der Moderation von VDMT-Vorsitzendem Günther Steinhauer, zu der sich schon gut die Hälfte der Teilnehmer eingefunden hatte.

Jürgen Lange, Betriebsleiter der Kandertalbahn, nahm seine Erfahrungen mit den „Bahnübergangs-Ausgleichszahlungen gem. § 16 Abs. 1 Nr. 3 AEG“ zum Anlass, die Versammlung am Samstagnachmittag über die Änderung der Richtlinien im Land Baden-Württemberg zu unterrichten. Demnach ermittelt das Land die Ausgleichzahlen für die Erhaltung und den Betrieb von höhengleichen Kreuzungen nicht länger mittels Pauschalen, sondern nur entsprechend nachgewiesener Aufwendungen. Einschneidender Wermutstropfen: ehrenamtliche Tätigkeiten dürfen dabei nicht geltend gemacht werden. Die NE-Ausgleichrichtlinie des Bundes wird zurzeit überarbeitet. Hier gibt es für Kreuzungen mit Bundesstraßen weiterhin Pauschalansätze.

Um fahrzeug-spezifische Fachfragen ging es in einem äußerst informativen Vortrag von Sebastian Pfaller, 2. Vorsitzender der Fränkischen Museumseisenbahn e.V. Nürnberg und Örtlicher Betriebsleiter Fahrzeuge. Er referierte über die Behandlung von „Radsätzen und Federn“. Detailliert dokumentierte er die Vorgehensweise bei der Instandhaltung aus der eigenen Erfahrung der vergangenen anderthalb Jahre – ein Problem, vor dem nicht nur die FME stehen dürfte, die hier wichtige Hinweise lieferte. Das Thema könnte bei entsprechend großem Interesse unter den Verbandsmitgliedern zu einem Arbeitskreis im VDMT führen.

Prof. Urs Kramer, Lehrprofessur für Öffentliches Recht an der Universität Passau und Fachmann für Eisenbahnrecht, hat im Auftrag des VDMT bestehende Gesetze und Rechtsverordnungen daraufhin untersucht, ob es dort Sonderregelungen für historische und touristische Verkehre gibt. Während er sich in einem ersten Gutachten mit gesetzlichen Regelungen des Bundes, der Länder und der EU für Eisenbahnen befasste, gibt er in einem zweiten einen Überblick darüber, wie bei anderen Verkehrsmitteln (Flugzeug, Schiff, Auto) im deutschen Recht, in Österreich, Belgien und der Schweiz der historische Begriff definiert wird. Er stellt fest, dass Brandenburg das einzige Bundesland ist, in dem die Bezeichnung „Museums- und Touristikbahnen“ konkret genannt werde. Desgleichen auch im europäischen Recht. Im Allgemeinen sei die Definition aber eher schwammig umrissen. Ein Blick über die Grenze zeige, dass Belgien sogar ein eigenes Museumsbahngesetz habe. „Wollen wir das auch?“ ließ Prof. Kramer als Frage während seines Vortrages im Raum stehen. Auf dieses zweite Gutachten werden wir auf einer unserer nächsten Seiten im EK noch ausführlich zurückkommen.

Zu den Kurzreferaten gehörten die Ausführungen von Michael Baaden über die „Steuerpflicht von Vereinen nach aktuellen Urteilen“ des Europäischen Gerichtshofes, über die „Wagendatenbank und das Zeichnungsverzeichnis“ von Thomas Fischer, die auf den internen Internetseiten des VDMT zu finden sind, sowie über „Fundraising und Crowdfunding“ von Bernd Furch, was so viel heißt wie Mitelbeschaffung oder Mittelakquisition und Schwarmfinanzierung oder Finanzierung durch die Menge. Beides sind moderne Wege der Geldbeschaffung. In traditioneller Weise geschieht das über Spenden. Das war das Stichwort für den Bielefelder Lokführer i. R. Olaf Teubert, der in seiner Begeisterung für die Dampflok 01 150, die er vier Jahrzehnte begleitet hat, mehr als eine halbe Million Euro sammelte, damit die Maschine nach dem Brand im Nürnberger Museumsdepot vor neun Jahren wieder fahrbereit aufgearbeitet wurde. Auf launige Weise ließ er am Sonntagmorgen seine unermüdliche Geldbeschaffung und die „Wiederbelebung seiner Maschine“ Revue passieren. Persönliche Briefe und Kontakte führten ihn zum Erfolg.

Den Reigen der Fachvorträge auf dieser Tagung eröffnet hatten zwei britische Gäste als Vertreter des europäischen Dachverbandes der Museums- und Touristikbahnen FEDECRAIL, dem der VDMT angehört: die beiden Officer Peter Ovenstone und Steve Wood. Unter dem Titel „European Rail Agency (ERA) – Den Fuß in der Tür für Europas Museumseisenbahnen“ informierten sie die Zuhörer über die Arbeit von FEDECRAIL, deren jüngster und bisher größter Erfolg es ist, eine beratende Stimme in der Europäischen Eisenbahnagentur erlangt zu haben.

Außerdem war auf dieser Tagung die geballte Kompetenz in Sachen Reparatur und Instandhaltung von Eisenbahnfahrzeugen vertreten: Thomas Huhn, EWK Eisenbahn Werkstätten Krefeld GmbH; Uwe Leifheit, Dampflokwerk Meiningen der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH; Dieter Knöpfel von der Oberpfälzischen Waggon-Service GmbH Weiden und Werner Krone vom EAW Darmstadt-Kranichstein. Sie stellten jeweils ihre Werke vor. Stefan Weiss präsentierte als Leiter des VDEF Bildungszentrums Nürnberg den Verband Deutscher Eisenbahnfachschulen.

Eine Sonderfahrt mit dem Dampfzug durch die herbstliche Fränkische Schweiz von Ebermannstadt nach Behringersmühle mit der Lok 4 (Bauart Elna 6) und einer Garnitur Donnerbüchsen-Plattformwagen beendete die bestens organisierte Tagung.

(Die Links zu den angegebenen Beiträgen sind nur im internen Bereich freigeschaltet)

 

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