Aus Anlass des 20-jähigen Bestehens hat FEDECRAIL (European Federation of Museum & Tourist Railways) zu einer Vorstandssitzung und Treffen mit einigen Vorsitzenden der Mitgliedsverbände im September 2014 nach Padua (Italien) eingeladen. Sechs Gäste konnte Präsident David Morgan begrüßen: Jean-François Andrist vom Eisenbahnmuseum Blonay-Chamby in der Schweiz, Ole Richenberg für Norsk Jernbane Klubb NJK und als Museum Railways Council/Board MBR aus Norwegen, Alberto Sgarbi von F.I.F.T.M. (Federazione Italiana Ferrovie Turistiche e Museali) in Italien sowie Gottfried Aldrian vom ÖMT (Verband Österreichischer Museums- und Touristikbahnen) aus Österreich, Jonas Svartlok für JHRF (Järnvägshistoriska Riksförbundet) in Schweden und Johannes Füngers vom Verband Deutscher Museums- und Touristikbahnen (VDMT).

 

Die Vertreter der sechs europäischen Organisationen stellten auf der gemeinsamen Sitzung die Verbände ihrer Länder vor und sprachen ihre aktuellen Probleme an. Erwartungsgemäß waren die Regulierungen durch die EU ein zentraler Punkt. Jean-François Andrist erklärte, dass die Schweiz sich auch ohne EU-Zugehörigkeit europakonform verhalte. Der Verband Historische Eisenbahnen Schweiz (HECH) habe rund 50 Mitglieder bei leicht fallender Tendenz. Einmal im Jahr werde eine Versammlung abgehalten. Es gebe wenig Verbindung zur Politik. Beklagt werde besonders, dass im Alter von 70 Jahren das Museumsbahn-Personal definitiv keine sicherheitsrelevanten Tätigkeiten mehr ausüben dürfe. Der Verband Österreichischer Museums- und Touristikbahnen zählt 43 Mitglieder.

Ole Richenberg war mit der Situation in Norwegen recht zufrieden und hatte von keinen größeren Schwierigkeiten zu berichten. Er konnte im Gegenteil sogar von hohen Subventionierungen der Bahnen sprechen. Alberto Sgarbi erinnerte daran, dass der italienische Dachverband F.I.F.T.M. von FEDECRAIL-Vorstandsmitglied Guido Rossi gegründet worden sei. Er merkte an, dass 95 Prozent der historischen Verkehre in Italien auf den Hauptstrecken stattfänden, wobei es vorübergehend auf dem Streckennetz der italienischen Staatsbahn eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometern in der Stunde gäbe und nicht mehr als drei Mann auf dem Führerstand zugelassen seien. Mehr als 250 Fahrzeuge würden durch eine nationale Stiftung erhalten.

Jonas Svartlok wies auf die großen Schwierigkeiten von JHRF mit dem ERTMS (European Railway Traffic Management System) in Schweden hin. Zusammen mit dem FEDECRAIL-Mitglied DVF (Danske Veterantogsoperatöerers Faellesrepraesentation) in Dänemark wird zurzeit an einer Light-Version des ERTMS-Systems gearbeitet. Stellv. Vorsitzender Johannes Füngers vertrat den VDMT mit seinen knapp 100 Mitgliedern. Er verdeutlichte an einem Beispiel den schwierigen Umgang mit der umständlichen Behördensprache in Deutschland. Außerdem stelle sich die Frage, wie der Begriff „historische Eisenbahnen“ zu definieren und ob eine Festlegung wünschenswert sei.

Der Vorsitzende der Heritage Operations Group (HOG), Steve Wood, informierte über den Status von FEDECRAIL als „Representative Body“ bei der europäischen Eisenbahnagentur (ERA), was bedeutet, dass FEDECRAIL als anerkannter Fachverband bei der Ausarbeitung von Verordnungen hinzugezogen werden muss. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe konnte bereits über ein erstes Treffen dieser Fachverbände berichten, bei dem unter anderem die Themen 4. Eisenbahnpaket, TSI (Technische Spezifikationen für die Interoperabilität) und Shift2Rail(Partnerschaft für Forschung und Innovation) angesprochen wurden. FEDECRAIL hat den Wunsch, seine Mitglieder in die Arbeit mit Themen wie ERTMS einzubinden.

David Morgan gab schließlich einen Überblick über die wichtigsten Aktivitäten von FEDECRAIL wie die Lobbyarbeit auf verschiedenen Ebenen sowohl im Europäischen Parlament, bei der Europäischen Eisenbahnagentur als auch in den nationalen Parlamenten von Litauen, Schweden, dem Baskenland und in Großbritannien. Außerdem betonte er die Bedeutung eines interkulturellen Austausches. Ziel des europäischen Dachverbandes sei es, die Mitglieder zu beraten und ihnen behilflich zu sein.

Die Gäste waren sich einig, dass der Verband auf einem guten Weg in Europa sei, insbesondere durch seine beratende Stimme in der ERA. – Zur nächsten Vorstandssitzung, die im Januar 2015 in München stattfinden wird, sind diejenigen Verbandsvorsitzenden eingeladen, die dieses Mal an einer Teilnahme verhindert waren.

 

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