Die Jahreskonferenz 2014 von FEDECRAIL, dem europäischen Dachverband der Museums- und Touristikbahnen, in Budapest war etwas Besonderes: die „European Federation of Museum and Tourist Railways“ beging ihren 20. Geburtstag. Mehr als 100 Delegierte und Partner trafen sich in Ungarn zu einem mehrtägigen Programm mit Konferenzen und Exkursionen. Das war die Gelegenheit, zurückzublicken auf die vergangenen zwei Jahrzehnte des Bestehens und dabei aufzuzeigen, welche Erfolge bislang erzielt wurden.

 

Seit vielen Jahren gibt es schon eine Kooperation zwischen den Museen und historischen Eisenbahnen in Europa. Sie begann 1989 mit einer Konferenz, die von der „Association of Railway Preservation Societies“ in Utrecht organisiert wurde, um „150 Jahre Eisenbahnen in den Niederlanden“ zu feiern. Was als ein erstes europäisches Treffen begann und zwei Jahre später in Hameln wiederholt wurde, bekam zusätzliches Gewicht mit dem Vorschlag, einen europäischen Verband zu gründen und damit eine größere Zusammenarbeit zwischen Museumseisenbahnen anzustreben. Eine Lenkungsgruppe aus den Reihen der Beteiligten in Hameln bereitete die Gründung vor, die schließlich 1994 in Leuven/Belgien erfolgte. In der Satzung wurde festgeschrieben, dass die vordringlichsten Ziele die Kooperation und gegenseitige Unterstützung, das Erkennen und Lösen von gemeinsamen Problemen und die gemeinsame Interessenvertretung auf europäischer Ebene sind.

Zunächst ging die Entwicklung noch langsam voran, doch als die Regulierungen und Verordnungen durch die Europäische Union an Gewicht gewannen, wuchs auch die Zahl der Mitgliedsländer. Zurzeit hat FEDECRAIL 42 Mitglieder mit rund 650 Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen in 27 Ländern. Auch in Osteuropa wurde FEDECRAIL dank NERHT (New Europe Railway Heritage Trust), dem „Verband zur Bewahrung des Eisenbahnerbes im Neuen Europa“, bekannt.

Im Laufe der Jahre gelang es FEDECRAIL, insbesondere durch das Büro von Brian Simpson (Mitglied des Europäischen Parlamentes) in Brüssel, Änderungen in 14 Entwürfen von EU-Richtlinien zu erreichen. Besonders erwähnenswert ist die allererste Kampagne, die zum Zurückziehen einer Anweisung bei „heißen Oberflächen“ führte. Sie hätte für die Museumsbahnen nämlich kurioserweise bedeutet, dass alle dampfführenden Leitungen an Dampflokomotiven hätten isoliert und alle vorspringenden Teile gut sichtbar gelb angestrichen werden müssen!

Brian Simpson gelang es ferner, eine Reihe von Ausnahmeregelungen von den EU-Richtlinien für Bahnen mit eigenen Strecken wie Regionalbahnen und Museums- und Touristikbahnen zu erreichen, sofern sie nationalem Recht unterliegen: bei der Trennung von Infrastruktur und Betrieb, bei Werkstatt- und Führerscheinrichtlinien. Für Fernfahrten können die Mitgliedsstaaten für historische Verkehre Ausnahmen für Deckungssummen bei Haftpflichtversicherungen sowie beim Fernabsatzgesetz zulassen. Deutschland hat aufgrund nationaler Besonderheiten bisher nur wenig Gebrauch davon gemacht.

FEDECRAIL leistete zudem Lobbyarbeit gegen ein Verbot, mit Steinkohlenteeröl getränkte Eisenbahnschwellen und bestimmte Abbeizmittel zu verwenden. Außerdem geht auf Brian Simpson, seit kurzem Vorsitzender des Verkehrs- und Tourismusausschusses des Europäischen Parlamentes, die Möglichkeit zurück, Ausnahmen von EU-Regelungen für Pauschalreisen in Anspruch zu nehmen.

Von besonderer Bedeutung ist ein Treffen zwischen FEDECRAIL und der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA/European Railway Agency), das im vergangenen Jahr ebenfalls von Brian Simpson arrangiert wurde und der Dachorganisation den Status eines „Representative Body“ in der ERA einbrachte. Das heißt, dass FEDECRAIL als Fachorganisation in die Vorbereitung von Entwürfen zu EU-Richtlinien für die Eisenbahn einbezogen werden muss. Dieser Erfolg ist unter anderem auf den guten Ruf des Verbandes zurückzuführen, der durch ihre Präsenz in der beachtenswerten EP-Studie des Ausschusses für Verkehr und Tourismus über Denkmalschutz und ländlichen Tourismus „Industrieerbe- und Agro-/Landtourismus in Europa“ von 2013 mitbegründet wurde.

Des Weiteren haben Vertreter von FEDECRAIL mindestens achtmal auf Bitten ihrer Mitglieder in nationalen Angelegenheiten interveniert, auch außerhalb der EU. 2002 wurde in Riga (Lettland) beschlossen, einen Leitfaden für die Erhaltung historischer Eisenbahnen zu entwickeln, Riga Charta genannt. Hierin wird aufgezeigt, wie historische Fahrzeuge restauriert und unterhalten werden sollten, damit nichts von ihrem kulturellen Wert verloren geht. Die Riga Charta hat sich als ein nützliches Werkzeug für die Kommunikation mit internationalen und anderen kulturellen Institutionen erwiesen.

FEDECRAIL hat eigene Arbeitsgruppen eingerichtet, die unter anderem die Weichen stellten für den Status bei der ERA. Es wurde außerdem ein europäischer Jugendaustausch ins Leben gerufen, der jedes Jahr stattfindet, und es wird ein Mitteilungsblatt für Mitglieder herausgegeben. Zum Erfolg des Verbandes gehören ferner die oben erwähnte Anerkennung durch die Eisenbahnagentur als Fachorganisation, die Vertretung im Ausschuss für Industrie- und Technikdenkmale von Europa Nostra, dem europäischen Verbund nicht-staatlicher Denkmalschutzorganisationen, sowie Einladungen zu Tagungen und Seminaren in Europa, um dort zu referieren.

Im Laufe der Jahre hat FEDECRAIL als eine vollständig ehrenamtlich betriebene Organisation die Anzahl der Länder ausgeweitet, aus denen ihre Mitarbeiter kommen. Im Vorstand sind nun Mitglieder aus sieben verschiedenen Ländern vertreten, nachdem anfänglich die Briten dominierten, da Großbritannien damals allein 30 Prozent des musealen Eisenbahnsektors in Europa ausmachte. Heute kommen Mitarbeiter aus Schweden, England, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Lettland und Österreich. Präsident David Morgan resümierte zum 20. Geburtstag: „Obwohl wir überzeugt sind, schon viel erreicht zu haben nicht nur für unsere Mitglieder, sondern für alle Museums- und Touristikbahnen in Europa, werden wir uns auch in Zukunft nicht selbstzufrieden zurücklehnen. Es stehen neue Herausforderungen an.“

Der VDMT ist Gründungsmitglied von FEDECRAIL.