An die Nordseeküste zur Museumseisenbahn Küstenbahn Ostfriesland (MKO) führte die 66. Museumsbahnertagung. 60 Mitglieder aus gut 30 Mitgliedsvereinen des Verbandes Deutscher Museums- und Touristikbahnen (VDMT) trafen sich vom 21. bis 23. März 2014 in Norden zum regen Gedankenaustausch. Auf dem Programm standen Informationen aus dem Verband und aus den Vereinen, die 22. ordentliche Mitgliederversammlung, der Besuch des MKO-Eisenbahnmuseums und zum Abschluss eine Fahrt mit dem Zug der Museumseisenbahn durch das flache Küstenland von Norden nach Dornum und zurück.

Fahrten wie diese sind bei den Touristen besonders beliebt, wenn typisches norddeutsches Schmuddelwetter herrscht. Dann strömen hier die Fahrgäste, um ihre gute Urlaubsstimmung zu erhalten, heißt es bei der MKO. Der Verein führt seit 1987 auf dem 17 Kilometer langen Teilstück der ostfriesischen Küstenbahn regelmäßig an Sonntagen in den Sommermonaten Betrieb durch. Vor dem Fünf-Wagen-Zug aus Donnerbüchsen, einem G 10 und einem Güterwagen aus dem Jahr 1927 für den Fahrradtransport wird in der Regel die V 60 062 eingesetzt. Weitere Fahrzeuge von der Motordraisine bis hin zur Feldbahnlokomotive sind im Museum im und am Lokschuppen, der unter Denkmalschutz steht, in Norden zu besichtigen. Am Endpunkt der Strecke, in Dornum, wurde mit Hilfe von EU-Mitteln ein kleines Stationsgebäude errichtet.

„Unser Kapital sind 50 Aktive“ – eine stolze Zahl, auf die MKO-Vorsitzender Wilfried Kebekus hinweisen kann, als er die Gäste im „Reichshof“ begrüßt. Zuvor hatte Nordens Bürgermeisterin Barbara Schlag allen Vereinen gedankt, die ihre Vertreter zur VDMT-Tagung diesmal in die Tourismus- und Wohnstadt Norden und damit in die nordwestlichste Ecke Deutschlandes geschickt hatten.

Hier gab es am Samstagnachmittag und am Sonntagvormittag für die Tagungsteilnehmer und -teilnehmerinnen eine Fülle von Informationen zu ganz unterschiedlichen eisenbahn- oder vereinsrelevanten Themen. Von besonderem Interesse waren eingangs die Ausführungen vom Stellv. Vorsitzenden Johannes Füngers über „Museumsbahnen in Großbritannien“. Im vergangenen Jahr hatte er Wales und Schottland bereist. Der maßgebende Unterschied zu den deutschen Museumsbahnen liegt darin, dass auf der Insel die Bahnen teilweise von hauptamtlich tätigen Mitarbeitern betrieben werden und damit auch in der Woche ihre Fahrten durchführen können, während in Deutschland fast ausschließlich Ehrenamtliche tätig sind und der Betrieb sich dadurch weitgehend auf die Wochenenden beschränkt.

Hier wie da stellt sich die Frage nach der Finanzierung des historischen Betriebes. „Wie kommen die Briten zum Geld?“ fragte Johannes Füngers. Dazu wurde auf einer der vergangenen Jahreskonferenzen von Fedecrail, dem europäischen Dachverband der Museums- und Touristikbahnen, ein Überblick präsentiert. Demnach fließt auf der Insel Geld u.a. durch reiche Wohltäter, Lotterien, Feste, Erbschaften und Staatsfonds. Ausschlaggebend für den Erfolg aber ist, dass die wirtschaftliche Bedeutung des historischen Eisenbahnbetriebes innerhalb des Tourismussektors herausgestellt und anerkannt wird.

Jörg Petry, Vulkaneifelbahn, berichtete über die von der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) in zweiter Instanz erstrittene Betriebserlaubnis für den Streckenabschnitt Gerolstein – Prüm der Westeifelbahn. Die Strecke war 2001 stillgelegt worden. 2005 wurde sie von der Stadt Gerolstein und der Gemeinde Prüm gekauft, um einen Radweg zu errichten. Dem stand das Interesse der RSE entgegen, die Infrastruktur für touristische Verkehre zu nutzen. Das Landesverkehrsministerium von Rheinland-Pfalz versagte der RSE die Betriebserlaubnis auf Grund von vorgeblichen Zweifeln an ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz sah das anders und erteilte die Betriebserlaubnis. Nun soll die Strecke in den nächsten ein bis anderthalb Jahren ertüchtigt werden. Kommunen und Bahn gehen aufeinander zu.

Zum Thema Sandstreueinrichtungen an Eisenbahnfahrzeugen ließ Joachim Hillenbrand die Versammlung aufhorchen. Das Problem Bremssand und Gleisstromkreise sei für alle auf der Infrastruktur von DB Netz fahrenden EVUs eine Herausforderung der nächsten Jahre. Heute gelte zwar noch eine Übergangsregelung für die Fahrzeuge, das aber nur bis 2016. Im Gegensatz zu den Vorjahren könne nun nicht mehr nur abgewartet werden. Die Halter von Triebfahrzeugen müssten sich als Verantwortliche jetzt darüber Gedanken machten, wie für die qualifizierten Anforderungen an Sandstreueinrichtungen individuelle Lösungen zu finden sind.

Von der Schmalspur-Dampflok Rur berichtete Vorsitzender Günther Steinhauer als Beteiligter der Selfkantbahn. Die zweiachsige Kastenlok ist 1899 für die Dürener Dampfstraßenbahn gebaut und ab 1942 als Dampfspeicherlok bei einer Papierfabrik in Birkesdorf (Stadtteil von Düren) eingesetzt worden. Sie wurde von einem niederländischen Sammler gekauft, der die Kosten für die Aufarbeitung trägt und die Maschine nach ihrer Restaurierung der Selfkantbahn für den Einsatz zur Verfügung stellt. Mit der Rur sind noch ganze neun Kastenlokomotiven in Deutschland erhalten. Diese Lok soll von der Dampfspeicher- auf eine Dampflok rückgebaut werden. Grundlage für den Wiederaufbau ist die Zeichnung einer Schwesterlok auf Mikrofilm. Günther Steinhauer richtete die Bitte an die Zuhörer, sich zu melden, falls sie Teile, Zeichnungen oder relevante Hinweise geben könnten, damit nicht alles neu konstruiert werden müsse. Dem Wiederaufbau ist eine grundsätzliche Diskussion um den Restaurierungszustand vorausgegangen. Wie soll sie museal präsentiert werden?

Rolf Höhmann gab dazu aus denkmalpflegerischer Sicht einen kurzen Exkurs zu der Frage „Was ist historisch?“ Der Industriearchäologe betonte, dass bei einem sorgfältigen Umgang mit den unterschiedlichen historischen Zuständen bei der Lok Rur nichts gegen den vorgesehenen Rückbau spreche. Es handele sich in diesem Fall um eine Rekonstruktion im musealen Sinne.

Auf der Mitgliederversammlung wurde neben den üblichen Regularien auch das Thema aufgegriffen, ob gegebenenfalls ein neu zu gründendes EVU als Dienstleister des VDMT mit besonderen Konditionen für dessen Mitgliedsvereine gewünscht wird. Aus dem recht differenzierten  Stimmungsbild ergab sich der Auftrag an den Vorstand, hierzu weitere Gespräche zu führen. Die Anregung von Jürgen Lange (Betriebsleiter der Kandertalbahn), ein elektronisches Diskussionsforum über Probleme der Eisenbahnbetriebsleiter einzurichten, soll aufgegriffen werden. In diesem Zusammenhang kann auch auf den neu entstehenden Webauftritt des VDMT hingewiesen werden, der in Kürze ans Netz gehen soll.

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