„Unter Dampf“ stand die 65. Museumsbahnertagung mit Fach- und Rahmenprogramm vom 8. bis 10. November 2013 in Neuenmarkt-Wirsberg, zu der das Deutsche Dampflokomotiv Museum und der VDMT eingeladen hatten. Die am Samstagmittag auf dem Museumsgelände einfahrenden  Dampflokomotiven 01 150 und 01 202 – beide einst im nahegelegenen Bw Hof stationiert – zogen die Tagungsteilnehmer magisch an. Im „Kohlenhof“ des Museums wurden die Maschinen, die einen Sonderzug der IGE Erlebnisreisen durch Süddeutschland führten, mit Wasser und Kohle versorgt. Eine Mitfahrt über den Abschnitt der „Schiefen Ebene“ stellte den Höhepunkt im Rahmenprogramm der Tagung dar. Dass die soeben aufgearbeitete schweizerische 01 202 nach der für Fotografen spektakulären Bergfahrt mit festgebremster Schleppachse und einer massiven Flachstelle schadhaft aus dem Zug genommen werden musste, trübte zwar im Nachhinein den Genuss und ließ das Programm der Tagung zeitlich etwas „aus dem Tritt“ kommen, sie zog aber auch am folgenden Tag noch das Interesse der Experten auf sich.

Rund 100 Teilnehmer hatten sich in Neuenmarkt-Wirsberg angemeldet, von denen die meisten bereits am Freitag anreisten. Dieser und insbesondere der Samstagabend, der dieses Mal im „Erlebnis-Lokschuppen“ stimmungsvoll zwischen Großexponaten stattfand, dienen traditionellerweise dem geselligen Beisammensein und Gedankenaustausch der Museumseisenbahner. Die exklusive Räumlichkeit war schon bei Tageslicht in Augenschein genommen worden, als das Museum mit seinem weitläufigen Freigelände und dem neuen Depotgebäude mit 290 Meter Gleislänge besichtigt wurde. Das DDM ist erst in diesem Frühjahr nach einer grundlegenden Umgestaltung mit neuer Konzeption neu eröffnet worden.

Der Organisator der Tagung, DDM-Chef Volker Dietel, und der Geschäftsführer des DDM-Zweckverbandes, Rüdiger Köhler, stellten die Entwicklung des Museums vor, nachdem VDMT-Vorsitzender Günther Steinhauer die Tagung eröffnet hatte. Das Museum ist 1977 als Privatinitiative gegründet worden und 1984 in die Trägerschaft eines kommunalen Zweckverbandes übergegangen. Mittlerweile sind 96 000 Quadratmeter Museumsfläche im Eigentum des DDM mit dem museal neugestalteten Ringlokschuppen als Kernstück. Besonders bemerkenswert dürfte angesichts der großzügig anmutenden Anlagen sein, dass die Aufteilung der musealen Erweiterung und die didaktische Neu- und Umgestaltung in vier Teilprojekte eine gewichtige Förderung durch die Europäische Union ermöglichte. Tragen soll sich das Museum jetzt durch Einnahmen aus den Erlebnisveranstaltungen, den Eintrittsgeldern sowie Vermietungen und Verpachtungen. Die guten Besucherzahlen dieses Jahres sprechen für das neue Konzept.

Das Fachprogramm dieser Herbsttagung umfasste einen breiten Fächer an Themen und war mit zahlreichen Informationen gespickt. Den Anfang machte der langjährige ehemalige VDMT-Vorsitzende Heimo Echensperger und gewährte als Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Eisenbahn (SDE) einen Blick hinter die Kulissen der Aufarbeitung der 01 150, mit der die Tagungsteilnehmer zuvor über die „Schiefe Ebene“ gefahren waren. Er erläuterte die schwierige vertragliche Umsetzung des Projektes. Die Probleme lagen nicht in der Finanzierung für die betriebsfähige Aufarbeitung – dafür warb der ehemalige DB-Lokführer Olaf Teubert Hundertausende Euro an Spenden ein. Sie ergaben sich auch nicht aus dem äußeren Erscheinungsbild der 01 wie mit oder ohne Schürze, glänzende oder matte Lackierung. Weit diffiziler war es, die steuerlichen und eisenbahnrechtlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen. Die jetzt in Heilbronn stationierte Lok ist an die Unterstiftung Eisenbahnstiftung Joachim Schmidt (EJS) vermietet worden. Die neu gegründeten EJS-Betriebs UG bietet sie als Halter Eisenbahn-Verkehrsunternehmen zur Miete an.

Als neuen Anbieter von Reparaturleistungen für historische Eisenbahnfahrzeuge präsentierte Stefan Materna die Firma Metallbau Metzger aus Bruchsal-Helmsheim. An verschiedenen Beispielen, insbesondere aus dem Dampflok- und Güterwagenbereich, machte er das Unternehmen für die anwesenden Museumseisenbahner interessant. Peter Zander stellte das Henschel-Museum in Kassel vor und berichtete über die aufwendige und langwierige Sichtung der über Jahrzehnte angehäuften Unterlagen, deren Auswertung noch längst nicht abgeschlossen sei. Der gemeinnützige Verein „Henschel-Museum + Sammlung“ hat sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe der Familie und Firma Henschel zu bewahren und die Leistungen der sechs Generationen in ihrem wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Wirken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit 2004 sind in einer Ausstellung wichtige Stationen der 200-jährigen Henschel-Geschichte dargestellt. Die Archivalien können, sofern sie bereits erschlossen sind, für wissenschaftliche, private und gewerbliche Zwecke genutzt werden.

Eine weitere kurze Vorstellung lieferte Detlef von Braumüller, der einen „Akustischen Reiseführer“ (UMIS GPS-gesteuertes Informations-System) anbot. Dabei handelt es sich um eine Software, mit deren Hilfe GPS-gestützt Informationen an bestimmten Stellen einer Fahrt den Fahrgästen übermittelt werden können. Roland Molz, Selfkantbahn/IHS, berichtete von dem Aufbau einer Adress-Sammlung relevanter Werkstätten, Lieferanten und Dienstleister für Museumseisenbahnen.

Mit besonderer Spannung wurde am Sonntagvormittag der Vortrag von Prof. Urs Kramer, Universität Passau, erwartet, der die aktuellen Entwicklungen im Eisenbahnrecht anhand einer Reihe verschiedener Gerichtsentscheidungen darlegte. Nach jüngsten Beispielen aus dem Europäischen Unionsrecht wie die Haftung für Verspätungen bei höherer Gewalt, brach der Jurist eine Lanze für das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und rückte die oft gescholtene Behörde in einen etwas positiveren Fokus. Die folgenden Urteile zum Eisenbahnrecht hinterließen bei den Zuhörern nicht selten ein ungläubiges Kopfschütteln oder – wie sich der Referent äußerte – waren ein Thema, „um sich zu echauffieren“. Sie betrafen das Aufsichtsrecht, die Betriebsgenehmigung, Stilllegung, das Anschlussrecht und den Netzzugang ebenso wie die Freistellung eines Grundstückes von Bahnbetriebszwecken, Fahrgastrechte und das Eisenbahnkreuzungsrecht. Mit Kuriositäten aus dem Juristenalltag rundete Urs Kramer seine Ausführungen ab.

Abschließend wurde den Tagungsteilnehmern noch ein Bündel an Informationen mit auf den Weg gegeben unter den Stichworten Triebfahrzeugführerschein und Lokführermangel, Merkblatt zum Einbau PZB, Korrosion in Dampfkesseln, Vergünstigungen für VDMT-Mitglieder im EK-Verlag, regionaler Erfahrungsaustausch von Museumseisenbahnern und schließlich auch noch zum „Fahrkartendrucker“, dem Online-Portal für den Fahrkartenverkauf.