Die Verordnung 2007/59/EG der Europäischen Union hat zum Ziel, europaweit einheitliche Bedingungen für den Erwerb und die Verwaltung von „Lokführerscheinen“ zu schaffen, um - unter anderem - den europaweiten Einsatz von Lokführern zu ermöglichen. Hierbei wurde jedoch zu wenig bedacht, dass Lokführer in der Regel eben nicht grenzüberschreitend eingesetzt werden und auch deren angestrebte europaweite berufliche Mobilität nicht der Lebenswirklichkeit entspricht. Die Folge sind zu hohe Ansprüche in etlichen Bereichen, die in Deutschland zudem durch die mit hoher Regelungstiefe versehenen Anforderungen der - zur Umsetzung in nationales Recht erforderlichen - Triebfahrzeugführerscheinverordnung (TfV) zementiert wurden. Dass die Museumsbahnen hiervon in unangemessener Weise betroffen sein würden, ist angesichts des praktisch völligen Fehlens grenzüberschreitender Verkehre wohl verständlich.

 Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte diesen Mangel frühzeitig erkannt und das Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS) als Vordnungsgeber mehrfach zur Nachbesserung der TfV aufgefordert. Die Europäische Eisenbahn-Agentur (European Railway Agency, ERA) hat nun im Auftrag der Europäischen Kommission eine Abfrage von Daten und bisher gewonnenen Erfahrungen bei Behörden, Interessenverbänden und Eisenbahnunternehmen zu den neuen Führerscheinregeln gestartet, an der sich der VDMT über den europäischen Dachverband FEDECRAIL ebenfalls beteiligt hat. Kritisch anzumerken ist, dass die abgefragten Angaben nur bedingt dazu geeignet sind, die zu erwartenden Probleme zu erkennen. Die Auswirkungen der TfV in der heute gültigen Form auf die alltägliche Praxis der Museumsbahnen sind noch nicht abzusehen. Der VDMT sieht die Entwicklung mit Sorge und befürchtet bei der Umsetzung aller Forderungen dieser Verordnung auch für die Museumsbahnen einen spürbaren Zuwachs an bürokratischem Aufwand und Kosten ohne jeden Sicherheitsgewinn.