Praxisorientierte Themen bestimmten die 64. Museumsbahntagung am 16. und 17. März 2013 in Wandlitz, die von den Berliner Eisenbahnfreunden e. V. (BEF) ausgerichtet wurde. Im Rahmen dieses Treffens hielt der Verband Deutscher Museums- und Touristikbahnen (VDMT) zudem seine 21. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Umrahmt wurde das Programm von einem Besuch des Lokschuppens und des Heidekrautmuseums in Basdorf und einer Fahrt mit dem BEF-Schienenbus VT 95 9396 und VB 142 307 zum Deutschen Technikmuseum Berlin auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs.

BEF-Vorsitzender Kurt Tatzel konnte schon auf eine gewisse Routine zurückblicken, als er die Gäste zur Herbsttagung begrüßte; denn die Veranstaltung fand nach den Jahren 2000 und 2008 zum dritten Mal in Berlin-Wandlitz statt. So war manchem Besucher von der Vereinsgeschichte bis zu den Räumlichkeiten manches schon bekannt. Besonderes Interesse fand dann seine Prognose, dass die Dampflok Ampflwang nach einem Federbruch im vergangenen Jahr in dieser Saison wohl wieder laufen wird, und er stellte in Aussicht, dass die Untersuchung der 65 1057 bis Ende 2014 abgeschlossen sein könnte.

Das erste Thema aus der Praxis einer Museumseisenbahn waren die Beschwerden von Anwohnern über Rauch-, Qualm- und Lärmbelästigungen beim Einsatz von Dampflokomotiven oder über den wenig ansprechenden Anblick der Bahnanlagen, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben. Jürgen Lange gab dazu einen Erfahrungsbericht von der Kandertalbahn unter dem Titel „20 Kilometer Bahnnachbarn“. Die Bahn hat pro Jahr 80 Betriebstage und fährt jährlich circa 260 Personenzüge. Als sie in den 70er Jahren ihren Betrieb aufnahm, gab es weniger Nachbarn als heute. Mit einem Neubaugebiet kamen schließlich Anwohner, die sich heute belästigt fühlen – ein Dilemma, in dem viele Museumsbahnen stecken. Aus der Entwicklung bei der Kandertalbahn lässt sich der Schluss ziehen, dass nur Aufklärung über die jeweiligen Interessen und Zwänge der Schlüssel für ein auskömmliches Miteinander sein kann.

Verständnis für die Bahn zu wecken und Marketing zu betreiben liegen nahe beieinander. Marketing heißt nämlich eine Bindung zum Kunden herzustellen. Wie sie auf traditionelle Weise mit neuen Ideen oder auf moderne Art mittels sozialer Netzwerke bewirkt werden kann, legte Ingrid Schütte, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim VDMT, in ihrem Vortrag „Marketing – eine Empfehlung ist unbezahlbar“ dar. Ergänzend brachte Joachim Kothe aus seiner Öffentlichkeitsarbeit bei den Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunden seine Erfahrungen mit dem Facebook-Auftritt der DHEF ein, die durchweg positiv sind.

Probleme anderer Art gab es in der letzten Zeit nicht nur im Kandertal, sondern auch im Tal der Wutach. Vor zwei Jahren hatten Gleisveränderungen zu Schäden an den Fahrzeugen geführt. Später hatte die Stadt Blumberg als EVU erheblich mehr Fahrleistungen von den Ehrenamtlichen gefordert und schließlich den Vertrag mit dem Verein gekündigt. Auch in diesem Fall hatte das Miteinander – hier zwischen Stadt und Verein – wesentlichen Schaden genommen. Vorsitzender Thomas Horn konnte nun davon berichten, dass inzwischen ein Konsens gefunden wurde: Die Stadt fährt mit eigenen Fahrzeugen und Personal während der Woche und der Verein an den Wochenenden und Feiertagen.

Die Museumseisenbahn Bremerhaven – Bederkesa berichtete von einem bislang wenig bekannten Projekt, nämlich dem Einsatz von „Bürgerarbeitern“. Bei ihnen sind acht Arbeiter und eine Bürokraft beschäftigt, ohne dass Kosten für die Bahn entstehen. Vereinsvorsitzender Rolf Thien informierte über die Möglichkeiten und Voraussetzungen. Wichtigste Grundlage der Bereitstellung von Bürgerarbeitern ist, dass sie zusätzliche Aufgaben erfüllen, die der Verein selbst nicht innerhalb von drei Jahren leisten kann.

Rainer Balzer kündigte für die Stiftung Deutsche Eisenbahn an, dass von diesem Jahr an Preise ausgelobt werden sollen. Zum einen jährlich ab 2013 der Dieter-Junker-Preis für ein ganz oder nahezu fertiges Projekt (Preisgeld zwischen 2000 und 4000 Euro) und ab 2014 ein Preis für Infrastrukturmaßnahmen (zwischen 1000 und 2000 Euro).

Zur 01 150, für deren betriebsfähige Aufarbeitung der ehemalige Lokführer Olaf Teubert aus Bielefeld hundertausende Euro an Spenden zusammentrug, hat der VDMT in der Februarausgabe des EK die rein informative Frage gestellt, welche Variante der Aufarbeitung – mit oder ohne Schürze – die Leser favorisieren, ohne dass sich daraus irgendein Einfluss auf die Fertigstellung ergeben könnte. Um diese Frage hatte es Dissens zwischen dem Spendensammler und dem Verkehrsmuseum Nürnberg gegeben. Die Entscheidung fiel aber inzwischen zugunsten der von Teubert bevorzugten Variante ohne Schürze. So möchte sie auch die überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer sehen. Nur ein Drittel der Einsender sprach sich für die Schürze aus. Den Preis für die Teilnahme, eine Familienkarte, erhält Joachim Schröter.

Der Sonntagmorgen stand ganz im Zeichen der aktuellen Entwicklung im Eisenbahnrecht. Götz Walther vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dessen Mitglied der VDMT ist, blickte zurück auf die Aktivitäten des Verbandes hinsichtlich der Erteilung von Sicherheitsbescheinigungen (SiBe) sowie des Sicherheitsmanagementsystems (SMS) und gab Hinweise auf offizielle Informationen und Veröffentlichungen des VDV. So die VDV-Mitteilung 7505 von 2012 und 2013, zu der sich eine weitere Aktualisierung in Vorbereitung befindet. Walther verwies darauf, dass die Fach- und Regelwerksarbeit als Input für das SMS genutzt werden kann. Als aktuelle Baustellen im Eisenbahnrecht nannte der Referent die Fortführung und Erteilung der SiBe, den Einstieg in die Zertifizierung und die ECM-Thematik (Entity in Charge of Maintenance).

Joachim Hillenbrand sensibilisierte die Zuhörer dafür, dass es für Museumsbahnen relevante Änderungen bei der TEIV (Transeuropäische Eisenbahn-Interoperabilitätsverordnung) hinsichtlich der Befahrung der Transeuropäischen Netze mit Museumsbahnfahrzeugen gebe sowie beim Allgemeinen Eisenbahngesetz den Halter betreffend und bei den Schienennetz-Nutzungsbedingungen 2014 der DB in Bezug auf Sandstreueinrichtungen.

Harald Elsner, der die Arbeitsgruppe SMS des VDMT leitet, informierte über den Stand des SMS-Handbuches, an dem zur Zeit sowohl der VVM (Verein Verkehrsamateure und Museumsbahnen) als auch die Warnetalbahn arbeiten.

Auf der Mitgliederversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden Günther Steinhauer stand neben den Regularien turnusmäßig die Wahl des Vorstandsmitgliedes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an. Ingrid Schütte wurde einstimmig wiedergewählt.