Für ein gutes atmosphärisches Klima an ihrer Strecke sorgt die Selfkantbahn mit einer so genannten „Nachbarschaftsfahrt“. Am Samstag, dem 1. September 2012, war es wieder einmal soweit. Zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte wurden alle Anlieger von „ihrer“ Museumsbahn zu einer Fahrt, gemütlichem Essen in der Wagenhalle und ausführlichen Informationen über die Bahn und ihre Projekte eingeladen. Dabei sind nicht nur diejenigen Anwohner berücksichtigt worden, deren Häuser und Gärten unmittelbar an die Strecke grenzen, sondern auch die Bewohner etwas weiter zurückliegender Grundstücke.

 

Der Zug startete am frühen Nachmittag in Schierwaldenrath und hielt völlig unkonventionell unabhängig von den Stationen überall dort, wo sich Anlieger – teils einzeln, teils in Grüppchen – an die Strecke gestellt hatten, um einsteigen zu können. So ging es im gemächlichen Tempo bis Gillrath und wieder zurück zum Ausgangspunkt, wo in der Wagenhalle nicht nur Essen und Trinken warteten, sondern auch ein eindrucksvoller Vortrag mit Bildern über die Infrastrukturmaßnahmen an der Strecke: die Umbauten der Bahnhöfe Gillrath und Birgden sowie den Neubau der Fernstraße B 56 n und damit verbunden die Überquerung durch die Bahn.

Die Aktiven der Selfkantbahn wurden daraufhin in viele Einzelgespräche verwickelt und konnten so im persönlichen Kontakt den Nachbarn der Bahn einen Einblick in den Museumsbahnbetrieb der Gegenwart und Zukunft geben. Genauso wie sie hergekommen waren – nämlich Einstieg nach Bedarf – ging nach dem Abendessen für die Teilnehmer die Fahrt wieder zurück zu Haus und Hof. Die Resonanz auf die Nachbarschaftsfahrten ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Dieses Mal nahmen etwa 150 Personen teil.

Das erfolgreiche Konzept sollte zur Nachahmung durch andere Museumseisenbahnen anregen; denn diese Fahrten dienen zur Befriedung der Meinungen über Museumseisenbahnen, die heute nicht mehr ausschließlich positiv angenommen werden. Sie geraten zunehmend in die Kritik Einzelner. Sei es wegen der vermeintlichen Belastung der Umwelt durch Dampflokemmissionen, sei es, dass sich Anwohner gestört fühlen. Auf Nachbarschaftsfahrten wird Verständnis geweckt für betriebliche Notwendigkeiten, die Bedeutung für den Tourismus kann „erfahren“ werden, und nicht zuletzt wird die Gemeinschaft der Anlieger gefördert.