Der seit 2010 anstehende Rechtsstreit, ob die mit zwei Tendern voraus fahrende Dampflokomotive 41 360 eine Geschwindigkeit von 50 km/h aufnehmen durfte oder nicht, ist jetzt entschieden. Das Verwaltungsgericht Köln gab dem EBA Recht, dass hier die Regelungen für geschobene Züge im Sinne des § 34 Abs. 3 EBO in Verbindung mit § 40 Abs. 3 Nr. 1 und Abs. 4 EBO einzuhalten sind und damit die Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als 30 km/h beträgt.

 

In der Begründung für das Einhalten der geringeren Geschwindigkeit heißt es, dass das EBA eine konkrete Gefahrenlage zum einen darin sehe, dass die Sicht auf die befahrene Strecke, die Signale, die Bahnübergänge und die Oberleitung mit zwei insgesamt 17,29 m langen Tendern voran erheblich eingeschränkt sei. Zudem sei es bei der Fahrt mit zwei Tendern voran eher wahrscheinlich, dass es zur Auslösung einer Zwangsbemsung durch Eigenbeeinflussung aufgrund der Länge der Tender komme. Daraus ergebe sich zum einen eine Gefahr für Reisende durch unbeabsichtigte Zwangs- und Schnellbremsungen; zum anderen könne sich bei häufigem Auslösen ein Gewöhnungseffekt beim Lokomotivpersonal einstellen und auch dadurch eine Gefahrenlage entstehen.

Der Einschätzung, dass es sich bei der 41 360 um eine Dampflokomotive mit zwei Schlepptendern als technischer Einheit handele, weil die beiden Tender untereinander mit Leitungen gekuppelt seien, widersprach das EBA. Der zweite Tender gelte als Güterwagen, so dass eine Ausnahmeregelung nach § 40 Abs. 3 EBO nicht zum Tragen kommen könne. Sie könne nur erteilt werden, wenn mit einem und nicht zwei Tendern voraus gefahren werde. Im Übrigen gelten für alle Züge, deren Triebfahrzeuge nicht an der Spitze laufen und die nicht von der Spitze aus gesteuert werden, die Regelungen für geschobene Züge im Sinne von § 34 Abs. 3 EBO.

Die Vertreter des EBA haben in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass die Nachteile durch die Pflicht zur Einhaltung der Regeln über geschobene Züge überwiegend vermieden werden könnten, indem etwa in Bereichen, in denen ein vollständiges Wenden der Lok aufgrund der bestehenden Infrastruktur nicht möglich sei, für die – kurze – Zeit der Rückwärtsfahrt der zweite Tender an das Ende des Zuges gehängt werde. Dies würde allerdings voraussetzen, dass für diese Strecke eine Versorgung der Lokomotive aus nur einem Tender sichergestellt wäre. Es muss also entweder bei Rückwärtsfahrten mit zwei Tendern voraus die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h eingehalten oder der zweite Tender an das Ende des Zuges gehängt werden.

Verwaltungsgericht Köln, 18 K 1973/11