FEDECRAIL, der europäische Dachverband der Museums- und Touristikbahnen, hat im Mai in Südschweden seine internationale Museumsbahnkonferenz 2012 gehalten. In diesem skandinavischen Land stehen die Museumseisenbahnen und Vereine, die auf dem nationalen Schienennetz fahren, durch eine neue Gesetzgebung akut vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Erhöhte jährliche Gebühren für die Registrierung ihrer Fahrzeuge im Nationalen Fahrzeugregister, hohe Zulassungs- und Inspektionsgebühren drohen ihre Existenz zu gefährden. Darüber hinaus müssen – wie auch in den anderen europäischen Ländern – Lösungen für die Einführung des European Rail Traffic Management System (ERTMS) gefunden werden, die je Fahrzeugtyp mehrere Hunderttausend Euro kosten können. Die Probleme der schwedischen Museumsbahnen standen folglich im Mittelpunkt der Konferenz von Helsingborg.

 

„Es muss eine Lösung gefunden werden“, waren sich alle Redner auf der Konferenz einig, sowohl seitens des Ministeriums für Wirtschaft, Energie und Verkehr als auch der schwedischen Verbände Järnvägshistoriska Riksförbundet JHRF (Organisation für historische Bahnen ohne eigene Strecke) und Museibanornas Riksorganisation MRO (Dachorganisation schwedischer Museumseisenbahnen). Jonas Jacobsson Gjörtler, stellvertretendes Mitglied des parlamentarischen Ausschusses für Verkehr und Kommunikation, verbreitete vorsichtigen Optimismus, indem er riet, sich angesichts der Kosten „nicht zu sehr zu beunruhigen“. So soll durch eine Gesetzesänderung die Registrierung historischer Fahrzeuge gebührenfrei werden. Unter Umständen könne eine Umverteilung des Budgets innerhalb der Ministerien die Mittel für eine Unterstützung der betroffenen Museumsbahnen bei der Einführung von ERMTS freimachen.

Anders Johansson, Vizepräsident von JHRF, zeichnete den bisherigen Weg des Projektes ERTMS nach. Dabei wird deutlich, dass der Verband auf rechtzeitiges und anhaltendes Lobbying für die Interessen der historischen Eisenbahnen gesetzt und erfolgreich praktiziert hat. Kontakte zu Banverket (Schieneninfrastruktur) und später zu Trafikverket – seit 2010 neue Behörde nach der Zusammenlegung von Schienen- und Straßeninfrastruktur sowie Schiff- und Luftfahrt zur Transportagentur – führten zu einer ersten Arbeitsgruppe von NRSA (Fahrzeuginstandhaltung), DFS (historische Bahnen in Dänemark) und JHRF. Hier wurde schnell klar, dass ein weit verbreitetes ERTMS eine Vielzahl von Probleme nach sich ziehen und damit enorme Kosten verursachen würde, die für Museumsbahnen ohnehin völlig untragbar seien. Es zeigte sich allerdings auch, dass die Museumsbahnen mit dem Problem nicht allein sind, sondern dass viele Betreiber mit einem kleinen Bestand verschiedener Fahrzeuge, z.B. Bauunternehmen, vor einem ähnlichen Problem stehen.

Die Arbeitsgruppe hat daher einen Vorschlag für eine ERTMS Standardausrüstung erarbeitet, der auf standardisierte Schnittstellen zum Fahrzeug setzt, welche einen geringeren und technisch vereinfachten Anpassungsaufwand zur Folge hat. Diese vereinfachte Lösung wird von Trafikverket unterstützt, da sie die (Entwicklungs-)Kosten entscheidend reduziert. Nun gilt es, auch die European Railway Agency (ERA) davon zu überzeugen, dass dieses eine nachhaltige Lösung für die Europäische Union sein könnte. Dort wurde der Vorschlag zur Prüfung und Anerkennung als Alternative zu den bisherigen Konzepten vorgelegt.

Auch auf politischer Ebene wird die Lobbyarbeit weiter betrieben, unter anderem mit Kontakten auf der traditionellen politischen Woche im Sommer auf der Insel Visby; denn die endgültigen Entscheidungen, wie die zu erwartenden Gebühren zu finanzieren sind und wer die Kosten für die Einrichtung von ERTMS trägt, sind noch nicht gefallen.

Schweden und Dänemark haben unabhängig von einander eine Variante entwickelt, wobei die schwedische komplizierter und kostenträchtiger ist als die dänische, während diese den Anforderungen für historische Fahrzeuge besser entspricht. FEDECRAIL-Präsident David Morgan nahm während der Exkursionen, die im Anschluss an die Konferenz in Helsingborg von Jönköping aus unternommen wurden, die Gelegenheit wahr, Kontakte zu Politikern aufzunehmen und damit JHRF in seinem Anliegen zu unterstützen

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