Das Ambiente von zwei Museen gab den idealen Rahmen für die Herbsttagung des VDMT vom 9. bis 11. November 2012 in Dresden. Sowohl das Straßenbahnmuseum an der Trachenberger Straße als auch das Verkehrsmuseum im Johanneum am Neumarkt bildeten den adäquaten Hintergrund für das Fachprogramm, die außerordentliche Mitgliederversammlung und den geselligen Samstagabend der mehr als 100 Teilnehmer. „Braumeisters Dampfzug“ auf der Weißeritztalbahn und die Stadtrundfahrt mit einem historischen Straßenbahnzug durch Dresden rundeten das touristische Programm ab. Gastgeber der gut besuchten 63. Museumsbahnertagung waren die Dresdener Verkehrsbetriebe (DVB AG), das Verkehrsmuseum Dresden (VMD) und der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Bereits am Freitagabend trafen sich zwei Drittel der Tagungsteilnehmer im „Freiberger Schankhaus“ am Neumarkt zum gemeinsamen Abendessen und Gedankenaustausch.

Unter der Überschrift „Das Straßenbahnmuseum der DVB AG – unternehmerisches Erbe und ehrenamtliches Engagement“ fasste DVB-Vorstand Hans-Jürgen Credé (Deutscher Eisenbahnverein), die Geschichte des Verkehrsunternehmens und des Museums zusammen. 1990 wurde ein Verlustbetrieb mit 13 desolaten Straßenbahnbetriebshöfen, rund 700 Tatra-Straßenbahnen und einer desolaten Infrastruktur übernommen. Kundenorientiertes Unternehmen war nun das eine, Traditionsbewusstsein das andere und die Lösung schließlich der Verein „Straßenbahnmuseum Dresden“ e. V., seit 1996 unterstützt durch gemeinnützige Arbeit. Das Museum ist im letzten Jahr zur „event-location“ umgebaut worden.

„Historische Dampfeisenbahnen im VVO – integrativer Bestandteil des ÖPNV-Angebotes“ titelte VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen (Buxtehude-Harsefelder Eisenbahnfreunde) und gab einen Überblick über die sächsischen Schmalspurbahnen innerhalb des Verkehrsverbundes in diesem touristisch geprägten Raum. Fünf Bahnen fahren täglich: Döllnitzbahn, Weißeritztalbahn, Fichtelbergbahn, Lößnitzgrundbahn und die Zittauer Schmalspurbahn, eine davon mit Schülerverkehr. Ehlen schlug den Bogen vom Verbundgedanken über das Verkehrsangebot, die Eigentumsverhältnisse, den Fahrzeugpark, Fahrgastzahlen und Investitionen bis hin zum integrierten Tarif und Vermarktung unter dem Dach des VVO. Sie fahren unter der Dachmarke „Dampfbahn-Route Sachsen“, zu der noch weitere Bahnen und Einrichtungen gehören. Die Sorgen sind die gleichen wie bei allen Museumsbahnen: die Nachwuchsgewinnung und die Frage der Ausbildung. Die Schmalspurbahnen haben aber den Vorteil, in Sachsen noch gefördert zu werden.

Joachim Breuninger, Leiter des Verkehrsmuseums Dresden, manchem noch bekannt von seiner Tätigkeit im Verkehrsmuseum Nürnberg, erläuterte das neue Konzept seines Hauses, das sich zur Zeit noch im Umbruch befindet, wie die Gäste am Samstagabend selbst in Augenschein nehmen konnten. Das frühere reine Fahrzeugmuseum stellt unter dem weit gefassten Programm „Mobile Welt erleben“ nunmehr den Menschen in den Mittelpunkt der Verkehrsentwicklung. Die erste Dauerausstellung „Luftfahrt“ ist bereits fertiggestellt. Die Modernisierung mit interaktivem Angebot, Kundenorientierung, neuer Homepage und Nutzung sozialer Netzwerke stoppte nicht nur den Besucherschwund, sondern lässt die Zahlen wieder deutlich steigen.

Der zweite Teil das Samstagnachmittags war im Wesentlichen von der außerordentlichen Mitgliederversammlung bestimmt, die nach dem Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden und des Schatzmeisters im Juli dieses Jahres und mit einer angestrebten Satzungsänderung – der Erweiterung des VDMT-Vorstandes auf fünf Mitglieder – erforderlich wurde. Zum neuen Vorsitzenden wurde Günther Steinhauer (Selfkantbahn, viele Jahre stellvertretender Vorsitzender des VDMT) gewählt, Bernd Furch (Deutscher Eisenbahnverein) zum Schatzmeister und Kai Edelmann (Dampflokgemeinschaft 41 096) zum Beisitzer. Der stellvertretende Vorsitzende Johannes Füngers (Dampfbahn Fränkische Schweiz) und die Verantwortliche für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Ingrid Schütte (Museums-Eisenbahn Minden) bleiben im Amt. Ihre Wahlperiode ist noch nicht abgelaufen.

Mit dem Vortrag von Dr. Jochen Brandau, DB Netz, zur „Fortentwicklung des Regelwerkes für den Netzzugang“ stand ein brandaktuelles Thema auf dem Programm. Seine Ausführungen zur TSI-gerechten Neuherausgabe (Technische Spezifikationen für die Interoperabilität) der Richtlinie 408 „Fahrdienstvorschrift“ mit Wegfall des Zugführers dokumentierten sowohl den grundsätzlichen Prozess der Änderungen als auch der elektronischen Ausführung und Übertragung. Die DB plant die langfristige Einführung einer standardisierten Schnittstelle für Buchfahrplan- und La-Daten. Drei Eisenbahnen (Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser, Westfalenbahn, Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter) mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und zum Teil eigener Infrastruktur nehmen an einem Pilotprojekt teil. Dr. Brandau betonte auf Nachfrage, dass die TSI zwar vorerst nur für das sogenannte TEN-Netz gelte, die Gültigkeit der DB-Fahrdienstvorschrift aber alle Strecken von DB Netz umfassen müsse.

Das Thema ECM (Entity in Charge of Maintenance/für die Instandhaltung zuständige Stelle) und die für eine Zertifizierung wichtige Begriffsdefinition „(Fahrzeuge) für historische und touristische Zwecke“ wurde von Joachim Hillenbrand angesprochen. Im Moment seien nur die Werkstätten für Güterwagen von einer Instandhaltungs-Bescheinigung betroffen. Es sei aber abzusehen, dass die Notwendigkeit einer Zertifizierung auf alle Fahrzeuge ausgedehnt werde, sofern sie nicht bestimmten Kriterien genügten. Er rief den VDMT-Vorstand und die Mitglieder dringend dazu auf, gemeinsam mit den Aufsichts- und Genehmigungsbehörden eine Definition festzulegen. Hans-Peter Kempf regte an, dass der VDMT gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und vielleicht externem juristischem Sachverstand ein eigenes Regelwerk für Fahrzeuge, die historischen und touristischen Zwecken dienen, entwickele.

Informationen aus der Verbandsarbeit bezogen sich abschließend auf prophylaktische Gebührenbescheide für Sicherheitsbescheinigungen; das vom Verband betreute und für Mitglieder kostengünstig nutzbare Online-Buchungssystem; die VDV-Schrift 753, die vorerst nicht den Regularien der Triebfahrzeugführerscheinverordnung angepasst werden soll, und die Ausgleichszahlungen für die Unterhaltung von Bahnübergängen, für welche die Antragstellung zunächst in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erschwert werden soll.