Ein dichtes Programm mit zahlreichen Vorträgen und Kurzreferaten erwartete die gut 100 Teilnehmer der 61. Museumsbahnertagung des Verbandes Deutscher Museums- und Touristikbahnen e.V. (VDMT) Anfang November in Ratingen. Im Mittelpunkt standen grundsätzliche strategische Überlegungen, konkrete praktische Probleme und deren Lösungen. Gastgeber war die Railflex GmbH mit ihrem Geschäftsführer und VDMT-Schatzmeister David Uhr. Abgerundet wurde die gut organisierte Herbsttagung wie gewohnt durch eine Sonderfahrt auf dem Streckennetz der Bahnen der Stadt Mohnheim.

 

Richard Görgen zog eine insgesamt positive Bilanz zum "Dampfspektakel 2010". Die im Vorfeld von den Veranstaltern formulierten Ziele wurden erreicht, nicht zuletzt durch rund 200.000 direkte und indirekte Gäste. Die Selbstvermarktung der beteiligten Bahnen vor Ort, die bundesweite Wahrnehmung im Vergleich zu 1985 sowie die mit einmaligen Veranstaltungen dieser Art kaum zu erreichende Nachhaltigkeit im Marketing für die (historische) Eisenbahn sah er persönlich allerdings kritisch.

Davon abgesehen verwies Görgen aber auf den unschätzbaren Sympathieträger Dampflok, den es im Sinne einer Eisenbahn-Affinität zu nutzen gelte. Als Impulsgeber für eigene Ideen in den Eisenbahnvereinen breitete er eine Fülle nützlicher Anregungen für ein nachhaltiges Marketing aus (auf das wir in einer der nächsten VDMT-Nachrichtenseiten ausführlicher eingehen werden). Auch in seinem zweiten Vortrag zur generellen Perspektive der Museumsbahnszene unter dem Titel „Macht der Letzte das Licht aus?“, der in ähnlicher Form bereits im EK-Heft 9/2011 veröffentlicht worden ist, plädierte er mit einer Vielzahl von Anregungen für eine möglichst frühe und enge Bindung von Kindern und Jugendlichen an die Eisenbahn, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Zum diesem Thema passte die Information des Fedecrail-Vizepräsidenten Heimo Echensperger über den seit 2007 angebotenen europäischen Jugendaustausch des europäischen Museumsbahn-Dachverbandes. Er ermöglicht jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, internationale Netzwerke zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und ihre soziale und interkulturelle Kompetenz zu stärken – eine Basis, auf der spätere Führungskräfte heranwachsen könnten.

Die Sicherung der Zukunft zog sich wie ein roter Faden durch den ersten Tagungstag. Prof. Dr. Wolfgang Fiegenbaum, Vorstand der im Juli dieses Jahres gegründeten Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum, schilderte den Wandel und die Zukunft des Eisenbahnmuseums Bochum-Dahlhausen. Dabei wurde deutlich, dass die Rechtsform Stiftung für Museumseisenbahnen grundsätzlich keine Lösung ihrer Probleme sein kann, da das Stiftungskapital in Gänze erhalten bleiben muss und nur dessen Ertrag zur Verfügung steht, der kaum für einen Betrieb ausreichen könne. Der Gründung der Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum war bei der DGEG eine Trennung des gewerblichen und ideellen Bereichs vorausgegangen, wie es generell zu empfehlen sei. Da für die Weiterentwicklung des Museums die Stadt Bochum – selbst bestrebt, den Stadtteil Dahlhausen aufzuwerten – als Partner mit ins Boot genommen wurde, bietet ihr der Übergang in eine Stiftung die Sicherheit, dass die Zufälligkeiten eines Vereinslebens ausgeschlossen bleiben.

An dem Beispiel des Salonwagens Hitlers 10 222 verdeutlichte Prof. Fiegenbaum ein modernes Museumskonzept, das Eisenbahn als Teil der kulturellen Entwicklung vermittelt. So könnte dieses Exponat als „staatstragend“ Zeitgeschichte dokumentieren.

Auf Veränderungen kleinen Stils setzte auch Michael Hergarten. Der junge Museumseisenbahner brachte seine „Überlegungen zur Angebotsplanung am Beispiel der Brohltalbahn“ vor dem Hintergrund ein, dass ein veränderter Lebensstil auch Veränderungen in der Fahrplangestaltung nach sich ziehen müsse.

Den Focus auf zwei Nachbarbereiche historischer Fahrbetriebe richteten die Vorträge von Axel Reuther über die Arge Historischer Nahverkehr und von Marcus Mandelartz über den AK Feldbahn-Parkbahn. Der Arbeitsgemeinschaft historischer Nahverkehr gehören Vereinigungen an, die historische Straßenbahnen, Auto- und O-Busse unterhalten. Hier werden gemeinsam Lösungen für anstehende Probleme gesucht. Desgleichen im AK Feldbahn-Parkbahn, der nach einem tragischen Unfall in Guldental entstand, bei dem sich das unterschätzte Gefährdungspotential bei Feldbahnen offenbarte. Der Arbeitskreis entwickelt technische Regeln, Leitlinien und Gefährdungsbeurteilungen.

Themen aus der Praxis von Museumsbahnen stand dann auch im Mittelpunkt der weiteren Referate am Sonntag. Axel Valentiner-Branth stellte den Korrosionsschutz „Branthokorrux 3 in 1“ für Metallobjekte vor. Michael Oberländer unterbreitete seine Gedanken zum Erhalt der Museumsbahnen trotz hoher Auflagen durch die Sicherheitsbescheinigung (SiBe). Er stellte dabei in Frage, dass Museumsbahnen auch weiterhin über Fremd-EVU fahren können – eine Einschätzung, die auch Ludger Guttwein unterstrich, als er seine Erfahrungen mit Systembereisungen zweier EVU wiedergab.

Jürgen Lange, Betriebsleiter der Kandertalbahn, veranschaulichte unter dem Titel „Wie weit darf man mit Regionalbahnstatus auf DB-Strecken fahren?“ die Probleme der Definition und die sich daraus ergebenden Konsequenzen.bezüglich SiBe und SMS. Von Schwierigkeiten hatte auch Thomas Horn, Wutachtalbahn, zu berichten: „Wer haftet bei übermäßigem Radreifenverschleiß?“ Der Sachschaden beträgt etwa 300 000 Euro. Die Ursache vermutet man in einer Spurverengung durch feuchtigkeitsbedingte Formänderungen der Holzschwellen. Zur Klärung werden Sachverständige herangezogen. Da die Stadt Blumberg Eigentümerin der Strecke und EVU für die Wutachtalbahn ist, bleibt die Frage der Haftung noch offen.

Das Damoklesschwert SMS für die Museumseisenbahnen will der VDMT entschärfen, indem eine Projektgruppe sich dem Thema widmet mit dem Ziel der Erlangung von Sicherheitsbescheinigungen gemäß § 7 a AEG für jene Museums- und Touristikbahnen, die diese benötigen, und Hilfestellung beim Aufbau von Sicherheitsmanagementsystemen für Museums- und Touristikbahnen (SMS-Module). Dr. Harald Elsner (VVM) berichtete nach zwei Treffen mit Kai Edelmann (Warnetalbahn), Klaus Heckemanns (UEF), Jürgen Lange (Kandertalbahn), Andreas Schütte (AVL) und Harald Uhle (MEM) über den derzeitigen Sachstand.

Ein Überblick über die Verbandsarbeit des Vorsitzenden ergänzte das Vortragsprogramm. Wolfram Bäumer schilderte seine Erfahrungen aus Antrittsbesuchen, den Haushaltsverlauf 2011 und die Projekte SMS-Module, Unfallversicherung über die VGB, Buchungssystem, neuer Webauftritt und Zeichnungen/Vorschriften.

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