In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass eine ganze Reihe von VDMT-Mitgliedern sich sehr ernst mit Fragen zur Zukunft der eigenen Museumsbahn bzw. des eigenen Eisenbahnmuseums auseinandersetzt und dass jene dabei auch zum Gegenstand der Betrachtung von außen geworden sind. Zur Zeit werden insbesondere die Einschränkungen an Fördermitteln (in Sachsen Ausgleichszahlungen aus dem Regionalisierungsgesetz) und die Auswirkungen aus dem EU-Regelwerk (TSI, Tf-Führerschein, SMS, SiBe) bzw. aus dem Unfall bei Hordorf als Risiken für das Fahren auf DB- und NE-Strecken empfunden. Daneben gelten auch Nachfragerückgänge und sinkende Attraktivität des Ehrenamtes als längerfristige Risiken für den Fortbestand der z. T. unter VDMT-Mitgliedern vorhandenen sehr umfangreichen Sammlungen.

 

Der neue Kultusminister Sachsen-Anhalts, Stephan Dorgeloh, hat auf der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes (DMB) im Mai dieses Jahres in Magdeburg einen weiteren Aspekt für die Zukunft von Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen angedeutet: Zwar weist er den Museen hohe Bedeutung zu, weil sie die Bürger verstehen ließen, „was ist“, indem sie zeigten, „was war“. Auf der anderen Seite installiert er eine Konzeptgruppe aus Mitarbeitern seines Hauses und externen Experten, um eine Strategie für das Aussehen einer langfristig tragbaren Museumslandschaft Sachsen-Anhalts mit Zielhorizont 2025 zu erarbeiten. Berücksichtigt werden dabei kulturelle Alleinstellungsmerkmale bzw. Werte, museologisch fundiertes Arbeiten und die Perspektiven der Häuser, während den Rufen aus Lobbygruppen kein Gehör geschenkt werden soll. Ein Teilnehmer pflichtete dem Kultusminister bei: „Museen sind nicht unwichtig, manche Museen sind allerdings auch nicht wichtig!“ Eine ähnliche Arbeit – allerdings nur über die staatlich alimentierten Museen – liegt im Bundesland Hamburg bereits seit einiger Zeit vor und hat dort zu blankem Entsetzen bei den Betroffenen geführt.

Möglicherweise bleiben derartige landesweite gesamtkonzeptionelle Betrachtungen auf Hamburg und Sachsen-Anhalt begrenzt. Dennoch machen sich auch Trägervereine von Eisenbahnmuseen und Museumsbahnen Gedanken über die Chancen und Risiken ihrer Initiative für die Zukunft. Es dürfte sich für jedes VDMT-Mitglied lohnen, einmal über den Zeitraum von Hauptuntersuchungen hinauszudenken und sich zu überlegen, wo man z. B. im Jahr 2025 oder 2030 stehen möchte: Wie viele und ggf. welche der gesammelten Fahrzeuge können bis dahin aufgearbeitet und in Betrieb vermittelt werden? Wieviel Kraft, bestehend aus ehrenamtlich Tätigen und aus Finanzmitteln für Fremdvergaben, sind dazu erforderlich? Ist diese Kraftaufwendung überhaupt erreichbar? Wieviele Besucher und Fahrgäste lassen sich dadurch locken und wieviel Erlös von ihnen erzielen? Reicht diese Einnahmeperspektive aus, die zu erwartenden Kosten zu decken? Passen die eigenen Annahmen zu den Megatrends wie demographische Entwicklung, Energiepreise und Entwicklung des Freizeitverhaltens?

In Anbetracht, dass einige Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen bereits 40 Jahre und älter sind, ist der Zeitraum von 15 – 20 Jahren für strategische Überlegungen nicht mehr so schreckend, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Außerdem ist dazu eine kleine Erinnerung hilfreich: Wie haben wir uns zwischen 1990 und 1995 die Zukunft unserer jeweiligen Bahn im Jahr 2010 vorgestellt? Vermutlich ist vieles genau so eingetroffen wie gedacht, manches aber auch ganz anders geworden. Daraus lässt sich die Überlegung ableiten, welche der heute unverrückbar erscheinenden Randbedingungen in 20 Jahren möglicherweise „Schnee von gestern“ sind, und welche heute gerade erst erkennbare Entwicklungskeime das Geschehen in 20 Jahren umgekrempelt haben könnten.

Im Gegensatz zu Internet, Telefon, Twitter und Fernsehen bezeichnete der DMB-Präsident Volker Rodekamp die Museen als „langsames Medium“. Die Stärke der Eisenbahnmuseen und Museumsbahnen sei demnach eigentlich die Nachhaltigkeit, die sie für die Besucher und für die vermittelten Themen bedeuteten. Doch in einer Zeit, in der sich eine „Durchreise-Kultur“ durch die Events breitgemacht habe, drohten Museen mit ihren Dauerausstellungen (bei uns dem fahrplanmäßigem Fahrbetrieb) als verstaubt eingeschätzt und links liegengelassen zu werden. Die Festivitäten im letzten Jahr anlässlich des Jubiläums 175 Jahre Eisenbahnen mit ihren Besuchererfolgen bestätigen genau die von Rodekamp skizzierte Entwicklung. Da sich solche Verantstaltungen sowieso nicht dauernd wiederholen lassen, ist zu überlegen, wie die Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen gerade ihren Normalbetrieb interessant für die „Generation Golf“ und „Generation Facebook“ werden lassen können und zwar sowohl zum Besuchen und zum Mitmachen.

Es ist also eine breite Themenpalette, denen sich die Eisenbahnmuseen und Museumsbahnen zu stellen haben, wenn sie sich über das Tagesgeschäft hinaus als vital erweisen wollen. Inwieweit der VDMT den Mitgliedern dabei helfen kann, ob Musterlösungen und Patentrezepte entwickelt werden können, werden 15 Aktive von Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen, die bei der VDMT-Museumsbahnertagung in Bad Bederkesa ihre Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert haben, auf dem Klausurtreffen Ende Juni in Paderborn diskutieren. Für die Arbeit in Projektgruppen sind wir auf weitere Mitdenker und Mitarbeiter dringend angewiesen. Interessierte melden sich bitte per E-Mail beim VDMT.

Zum Schluss ein konkreter Tipp aus einer der Gesprächsgruppen (neu-museologisch (?) dort als „panel“ bezeichnet) auf der DMB-Jahrestagung an alle, bei Pressemitteilungen darauf zu achten, dass sie für Leser interessant sind. Diese Binsenweisheit wird mit bloßen Ankündigungen von Fahrterminen oder Bahnhofs- und Museumsfesten in den Wind geschlagen. Pressemitteilungen sollten „Geschichten erzählen“ und neugierig machen. Weil nur sehr wenige Museen das beherzigten, würden Zeitungen und Radios auch nur so wenig berichten.

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