Zu den Passauer Eisenbahnfreunden e.V. in den Süden der Republik führte Anfang April die 54. Museumsbahntagung des VDMT. 110 Teilnehmer trafen sich ein Wochenende lang in der Drei-Flüsse-Stadt, um sich über aktuelle Fachthemen zu informieren, ihre Mitgliederversammlung 2008 zu halten und abschließend mit P8 und einem Sonderzug nach Pocking zu dampfen.

 

Nachdem Stadtrat Urban Mangold die Tagungsteilnehmer willkommen geheißen hatte, ließ Werner Kummer in einem kurzen Rückblick die drei Jahrzehnte des gastgebenden Vereins Revue passieren. 1978 begannen die Passauer mit 16 Mann, heute sind es 180 Mitglieder, deren Ziel die Erhaltung von betriebsfähigen Fahrzeugen ist. Seit Jahren haben die Passauer Eisenbahnfreunde ihr Domizil im ehemaligen Bw samt der dazu gehörigen Infrastruktur von Hallen, Gleisen und Werkstätten. Am Samstagvormittag hatten die Gäste Gelegenheit, sich dort unter der Leitung von Werner Kummer umzusehen und einen Eindruck von den Dimensionen und den dort geschützt untergestellten Fahrzeugen zu gewinnen.

Nahe der Grenze gelegen, bietet sich die Zusammenarbeit mit den österreichischen Nachbarn an  so ging am Sonntag auch für die Tagungsteilnehmer die 638.1301 der ÖGEG (Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte) mit österreichischen Personenwagen auf die Strecke. Enge Verbindung besteht auch nach Stuttgart zum „Historischen Dampfschnellzug e.V.“, der heute den blauen F-Zug der Passauer Eisenbahnfreunde betreut und einsetzt. Diese haben sich inzwischen auf Dieselfahrzeuge, insbesondere auf Triebwagen der BR 798/998 für Nebenbahn-Betrieb konzentriert.

Der Vorsitzende der Ilztalbahn, Michael Liebl, berichtete von den Reaktivierungsbemühungen um die Strecke nach Freyung, die das Hochwasser von 2002 unbefahrbar gemacht hatte. Trotz Bestrebungen von Anliegergemeinden, die Strecke entwidmen zu lassen, um auf der Trasse einen Radweg anzulegen, hat das EBA deren Antrag abgelehnt. Zwar liegt noch keine neue Genehmigung zum Betrieb der Infrastruktur vor, der Verein hofft jedoch, möglicherweise schon im Sommer 2009 damit beginnen zu können, sein dreistufiges Konzept vom Freizeit- und Tourismusverkehr bis hin zum SPNV umzusetzen.

Einem bei den Museums- und Touristikbahnen allgegenwärtigen Problem waren die folgenden Fachvorträge gewidmet: dem Rahmenthema Jugendarbeit. Alexander Busch-Nowak von der Dampfbahn Kochertal, selbst Lehrer, schilderte seine positiven Erfahrungen mit einem Schulprojekt, das in Kooperation von „DBK Historische Bahn“ und der Eichendorf-Hauptschule (Ganztag) in Crailsheim durchgeführt wurde. Dabei arbeitete eine kleine Arbeitsgemeinschaft von Schülern mit großem Engagement unter seiner Anleitung eine Köf äußerlich auf. Das Projekt finanzierte sich weitgehend aus Spenden und hat den jungen Beteiligten jeweils zu einem Ausbildungsplatz verholfen, dem DBK zu interessiertem Nachwuchs.

Die Berliner „Parkeisenbahn Wuhlheide“ (600-mm-Spur) wird als Freizeitangebot mit Kindern und Jugendlichen betrieben, die je nach Alter und entsprechender Ausbildung in Kursen Aufgaben übernehmen: vom Schaffner (11 Jahre) bis hin zum Lokführer (18 Jahre). Erik Lachmann von der Berliner Parkeisenbahn unterstrich in seinen Ausführungen, dass Jugendarbeit eines professionellen Hintergrundes bedürfe und einen hohen ehrenamtlichen Aufwand erfordere. Auch verhehlte er trotz aller positiver Resonanz nicht die Probleme im Umgang mit Jugendlichen, sei es deren mangelnde Schulbildung, Schwierigkeiten im sozialen Bereich, die Abwanderung der Ausgebildeten oder die eingeschränkten Möglichkeiten finanzieller Förderung.

Auf Schwierigkeiten ganz anderer Art kam Christian Speer vom Deutschen Eisenbahn-Verein DEV in Bruchhausen-Vilsen zu sprechen. Seit April 2007 gibt es dort eine starke Jugendgruppe mit Kindern ab 9 Jahren. Ihr Ziel ist anfangs weniger die direkte Beschäftigung mit dem Thema Eisenbahn als vielmehr eine gemeinsame Freizeitbeschäftigung. Erst ältere Jugendliche „ins Boot“ zu holen, so Speer, sei wenig sinnvoll, weil sie in der dörflichen Struktur des Einzugsgebietes dann bereits an andere Vereine „vergeben“ seien. Der Eisenbahnbetrieb solle ihnen erst nach und nach nahegebracht werden.

Doch gerade hier ergebe sich bei den professionellen Jugendgruppenleitern das Problem, auf thematische Hilfe aus den Reihen der Aktiven im Verein angewiesen zu sein, um Unterrichtsmodule vom Weichenbau bis zu den Fahrzeugen umsetzen zu können. Bei ihnen stoße dieses Ansinnen aber auf wenig Gegenliebe. Ansonsten seien die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jugendarbeit geradezu optimal: Die Mittelweserbahn sponsert das Projekt in der Hoffnung auf späteren Nachwuchs und die sehr engagierten Eltern unterstützen ihre Sprößlinge.

Günther Steinhauer zeichnete den Werdegang des Jugendaustausches von FEDECRAIL (Europäische Förderation der Museums- und Touristikbahnen) nach, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Schweden stattgefunden hat und eine zukunftsweisende Facette erfolgreicher Jugendarbeit sein könnte. Bei fehlenden Anmeldungen für 2008 aus Deutschland stelle sich allerdings die Frage, ob geringes Interesse oder mangelnde Information über das Treffen  diesmal in Lettland  die Ursache seien.

Zum 175-Jährigen der Deutschen Eisenbahn 2010 stellte Richard Görgen vom Revierdampfteam ein Konzept vor, das den historischen Part der Jubiläums-Veranstaltungen ausfüllen könnte, während die DB sich überwiegend zukunftsorien-tiert gibt. Die Planungsvarianten reichen von Sonderzügen rund um Trier sowie Plandampf, -diesel und -strom durch die gesamte Republik bis hin zu regionalen Veranstaltungen  eine Gelegenheit für VDMT-Mitgliedsbahnen, sich mit Veranstaltungen und Fahrzeugen vor breitem Publikum in das Jubiläum einzubringen.

Einem anderen, ebenfalls aktuellen Thema wandte sich Dipl. Phys. Reinhard Serchinger zu. Er unterbreitete das Ergebnis neuer Untersuchungen von Emissionen im Dampflokbetrieb, die er an der Lok 1 der Achenseebahn, Baujahr 1889, vorgenommen hat. Er wies insbesondere darauf hin, dass aus einer Dampflok kein Feinstaub entweiche. Grus, Kohlenruß, Asche und Lösche seien zudem nicht giftig. Wichtig sei das richtige Feuern: oft und wenig. Mittelfristig hält er die Beschaffung von Kohle in der nötigen Körnung für problematisch.

Auf der 16. ordentlichen Mitgliederversammlung am Sonntagmorgen wurden der bisherige Vorsitzende Heimo Echensperger und sein Stellvertreter, Günther Steinhauer, in ihren Ämtern bestätigt.

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