In den Südschwarzwald führte die 53. Tagung des VDMT: Die Wutachtalbahn e.V. (WTB) – in diesem Jahr „30“ geworden – richtete vom 12. bis 14. Oktober die Herbsttagung 2007 in Blumberg/Baden aus. Hier ist der Ausgangpunkt für die „Sauschwänzlebahn“, die für ihre einzigartige Streckenführung berühmt ist. Zentrales Thema waren „Schienenfahrzeuge und Denkmalpflege“, aktueller Gegenstand der Verbandsarbeit die Allgemeinverfügungen des EBA zu VDV 755 (Streckenkunde) und zu PZB 90 (Sicherheitseinrichtungen).

In seiner Doppelfunktion als Bürgermeister von Blumberg und gleichzeitig als Verantwortlicher – die Stadt ist Eigentümerin der Strecke und EVU für die Wutachtalbahn – hieß Matthias Baumann die Tagungsteilnehmer herzlich willkommen, nachdem die meisten Gäste bereits tags zuvor angereist und von den Museumsbahnern im Bahnhof Blumberg-Zollhaus begrüßt worden waren. Als Einstimmung auf das zweitägige Programm wurden sie durch das Eisenbahnmuseum im ehemaligen Güterschuppen geführt.

Das rund 10 500 Einwohner zählende Städtchen Blumberg wurde geprägt durch die Eisenbahn und den Bergbau. Das Eisenerz machte es interessant für die Rüstungsindustrie. Die Anlage der Bahnstrecke erfolgte unter militärischen Gesichtspunkten. Heute werden auf den rund 25 Kilometern Gleisen pro Jahr rund 130 000 Personen in den Museumszügen befördert – die höchste Besucherzahl bei Museumsbahnen in der Bundesrepublik, so Baumann.

WTB-Vorsitzender Thomas Horn präsentierte die Wutachtalbahn, bevor die Referenten ans Rednerpult traten. Dr. Christian Hanus leitete die Vortragsrunde mit einer Zusammenfassung seines im Frühjahr erschienenen Buches „Schienenfahrzeuge und Denkmalpflege“ ein, das mit Unterstützung des VDMT veröffentlicht wurde. Es fußt auf seiner Dissertation an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, ist aber über die Schweiz hinaus im gesamten deutschsprachigen Raum relevant.

Ausgehend von der Situation, dass „Schienenfahrzeuge der Eisenbahn“ bislang nicht als eigenständige Denkmalgattung anerkannt sind und nur einzelne Objekte unter Schutz stehen, erarbeitete Hanus dazu eine systematische theoretische Basis. Dabei baut er auf den Kenntnissen der klassischen Denkmalpflege, der Industriearchäologie und verwandter Fachgebiete auf und weist die Denkmaltauglichkeit von Schienenfahrzeugen nach. Sein so entstandener fundierter Kriterienkatalog dürfte sowohl Eisenbahnvereinen, Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen als auch Denkmalbehörden bei einer Unterschutzstellung hilfreich sein.

Von der Theorie zur Praxis wechselte Dr. Hans-Peter Münzenmayer, Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, und erläuterte anhand verschiedener Beispiele aus Baden-Württemberg die dortige Denkmalpflege an Fahrzeugen und Anlagen: Unterschutzstellung besonderer Ingenieurbauten und -leistungen wie auf der Wutachtalbahn, ganzer Züge wie der Hohenzollernzug oder der Rebenbummler, dazu der Erhalt von Strecken(abschnitten) und ihrer Hochbauten im ursprünglichen Zustand unter Berücksichtigung notwendiger Änderungen für den heutigen Betrieb. Er merkte an, dass der Umgang mit dem Denkmalschutz auf Grund der Kulturhoheit der Länder nicht bundeseinheitlich gehandhabt werde. Mal reiche wie in Baden-Württemberg eine nachrichtliche Mitteilung, mal sei die Eintragung in die Denkmalliste wie in Nordrhein-Westfalen erforderlich. Münzenmayer ließ nicht unerwähnt, dass der Begriff „Museumsbahn“ in Deutschland nicht geschützt sei und deshalb an sich noch keine Aussage im Sinne des Denkmalschutzes ergebe.

Über die Vorzüge moderner Technik bei Dampflokomotiven im Museumsbahnbetrieb referierte Roger Waller von der Dampflokomotiven- und Maschinenfabrik DLM AG, Winterthur. Die Vorteile reichten von der Ein-Mann-Bedienung bis hin zu schadstoffärmeren Emissionen. Bei diesen leichtöl-gefeuerten Loks seien zudem keine Einschränkungen wie bei kohle-gefeuerten Loks im Einsatz während extremer Trockenperioden zu befürchten. Die Betriebkosten lägen sogar unter denen von Diesellokomotiven. „Modern Steam“ gibt es bei der Brienz-Rothorn-Bahn und der Schafbergbahn. Mancher der Zuhörer erinnerte sich wohl auch noch an die „52 8055“, deren Umrüstung für den Orientexpress fast einem Neubau glich und die in Deutschland keine Zulassung bekam. Wallers Konzept für die Zukunft: Triebwagen durch moderne Dampfloks ersetzen, dort wo Pendler fehlen und Touristen angelockt werden sollen.

Aufarbeitungen, Instandsetzungen, Umbauten, Modernisierungen insbesondere von Reisezugwagen sind das Aushängeschild der Firma Movo in Pilsen, die von Josef Sobek vorgestellt wurden. Darüber hinaus aber geht der ET 465 der SVG Stuttgart durch ihre Hände, und nicht zuletzt sind auch historische Fahrzeuge der Wutachtalbahn in der tschechischen Republik restauriert worden.

Im weiteren Verlauf der Tagung standen die aktuellen Probleme für Museums- und Touristikbahnen mit der VDV 755 und PZB 90 an. Der VDMT riet seinen Mitgliedern, Widerspruch einzulegen. Mit diesem Thema befasste sich während der Sitzungen am Sonntagmorgen noch detaillierter der Arbeitskreis (AK) Bahnbetrieb. Der AK Museumskonzepte vertiefte die Ausführungen von Dr. Hanus, dem AK-Leiter Wolfram Bäumer zuvor seinen Respekt und Dank dafür gezollt hatte, dass mit der vorliegenden Veröffentlichung den Museumsbahnern ein Leitfaden an die Hand gegeben werde, sich fachkundig gegenüber der Denkmalbehörde zu äußern.

Fragen zur Erreichbarkeit von Fahrgästen über die Medien, zur Befragung von Kunden und zur Werbung standen im Mittelpunkt der Diskussion im AK Markekting und Vertrieb. – Über die Sitzungen der Arbeitskreise im einzelnen soll in der nächsten Ausgabe von „VDMT aktuell“ ausführlicher berichtet werden.

Traditionell wurde die Tagung abgerundet durch Fahrten auf der gastgebenden Bahn. Der Esslinger VT 03 brachte die Tagungsteilnehmer am Samstagmorgen durch die Herbstlandschaft von Blumberg nach Weizen und zurück, wo auch die 86 333 mit einem Sonderzug eintraf. Sonntag gab es eine weitere Fahrt über die Wutachtalbahn mit der 50 2988 und einem Abstecher ins Bw Fützen.