Im westfälischen Ibbenbüren fand Mitte März die diesjährige Museumsbahn-Frühjahrstagung statt, zu der die VDMT-Mitgliedsbahn Eisenbahn-Tradition e.V. eingeladen hatte. Als Fach- und Rahmenthema hatte der VDMT die interschiedlichen Aspekte der Ehrendampflokführer-Ausbildung unter dem Titel „Einmal Lokomotivführer sein“ festgelegt. Eine kurze Einführung in das Thema gab der stellvertretende VDMT-Vorsitzende Günther Steinhauer (IHS), der dabei auch auf die wirtschaftlichen Aspekte verwies. So begrüßt die Selfkantbahn jährlich rund 80 Teilnehmer, die für einen derartigen „Wochenend-Lehrgang“ jeweils 300 € bezahlen.

Die IHS kooperiert bei der Vermarktung dieser Angebote eng mit dem „Heinsberger Tourist Service“ (HTS), für den Karin Hansen eine positives Resümee dieser Zusammenarbeit zog. Neben Buchungen über das Internet gewinnen auch Anmeldungen als „Geburtstagsgeschenk“ oder als „Incentive-Reisen“ zunehmend an Bedeutung. Die HTS, die für die Organisation und Abwicklung (Hotel, Restaurant, etc.) eine Provision erhält, sieht die Ehernlokführer-Kurse der IHS als wertvolle und erfolgreiche Werbung für die Region, betont in diesem Zusammenhang aber auch, dass Erfolge sich nur einstellen, wenn auch die Mitarbeiter der Museumsbahn voll hinter dem Konzept stehen.

Eben dieses Votum der Mitarbeiter war für den DEV in Bruchhausen-Vilsen der ausschlaggebende Grund, auf Lehrgänge zu verzichten. DEV-Vorstandsmitglied Christian Speer, der bei dieser Tagung erläuterte, aus welchen Gründen der DEV von Ehrenlokführer-Ausbildungen Abstand nimmt, verwies darauf, dass angesichts der nur begrenzten Fahrtage pro Jahr die Vereins-Lokführer kaum selbst noch zu Fahrgelegenheiten kämen, wenn Ehrenlokführer ausgebildet würden. Zudem sei das Fahren den 25 DEV-Mitgliedern vorbehalten, die auch aktiv bei der Wartung der Maschinen beteiligt sind. Hinzu komme das nur begrenzte Platzangebot auf den Schmalspur-Lok.

Holger Procknau von der HSB skizzierte diesen Geschäftszweig aus Sicht des größten und erfolgreichsten Anbieters. Seit 1993 bietet die HSB Ehrenlokführer-Ausbildungen an, inzwischen ist das Programm um Wochenend-Schnupperkurse und auch einstündige Führerstandsmitfahrten in den Regelzügen (ohne Selbstfahren) erweitert worden. Rund 700 Ehrenlokführer haben bisher ihr „Zeugnis“ erhalten, die Kapazitäten bei der HSB sind aber jetzt ausgeschöpft. Bis zu einem halben Jahr Wartezeit müssen Interessenten auch nach der Neuorganisation dieses als Profit-Center bei der HSB geführten Bereichs hinnehmen. Die HSB nimmt laut Procknau jährlich damit einen „hohen fünfstelligen Betrag“ ein. Das Spektrum der Interessenten reicht von 18 bis 73 Jahre und vom Fan bis zum hauptberuflichen Lokführer, der einmal eine Dampflok fahren will. Auch die HSB sieht diese Kurse als Werbung für sich und die Region, wobei die Ehrenlokführer selbst wiederum als Werbe-Multiplikatoren für „Ihre Bahn“ wirken. Zusammengeschlossen haben sich viele ehemalige Teilnehmer im „Club der DR Ehrenlokführer“, der Ende 1992 gegründet wurde und heute 290 Mitglieder zählt.

Dass beim Angebot von Ehrenlokführerkursen viele Details beachtet werden müssen, machte Versicherungs-Experte Joachim Rodatz (VVM) deutlich. Da Arbeitsunfälle der Lehrgangs-Teilnehmer nicht immer über die Berufsgenossenschaft versichert sind, riet er den Bahnen, dringend vor Ausschreibung der Kurse die eigene Haftpflicht-Versicherung oder die des einstellenden Verkehrsunternehmens daraufhin anzusprechen und im Zweifelsfall die Ehernlokführer durch eine zusätzliche Versicherung auch gegen verursachte Schäden zu versichern. In der anschließenden Diskussion der Tagungsteilnehmer zeigte sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Ansichten und Einschätzungen, die natürlich auch von den individuellen Gegebenheiten bei den einzelnen Bahnen abhängig sind.

Aus den Arbeitskreisen

Auch auf der diesjährigen Museumsbahn-Frühjahrstagung in Ibbenbüren bewährte sich das im Herbst 2006 erstmals angewandte Prinzip der zeitlich versetzten Arbeitskreis-Sitzungen bestens. Die Leiter aller Arbeitskreise (AK) berichteten im abschließenden Plenum von ungewohnt hohen Teilnehmerzahlen. Verbands-Vorstand und Arbeitskreisleiter sehen in dieser neuen Terminierungs-Praxis viele Chancen, auch weitere Stimmen, Meinungen und Erfahrungsberichte zu den einzelnen Themen von einem größeren Teilnehmerkreis sammeln zu können und damit Empfehlungen oder Entscheidungen des AK auf eine breitere Basis zu stellen.

AK Marketing und Vertrieb

Der AK Marketing und Vertrieb, an dem 25 Vertreter der anwesenden Bahnen teilnahmen, wurde in Ibbenbüren letztmalig vom bisherigen AK-Leiter Harald Elsner vorbereitet und moderiert. Nochmals im Mittelpunkt der Sitzung stand dabei die Diskussion über den möglichen Einsatz von elektronischen Zahlungssystemen bei Reservierung und frühzeitiger Bezahlung von Plätzen in den Zügen. Bereits für andere Anwendungsbereiche bestehende „e-Payment-Systems“ sind, so Elsner, für den Einsatz bei Museumsbahnen adaptierbar, die Kosten pro Buchung/Reservierung werden entweder je Aktion (ca. 0,20 €) oder bei Kreditkartenzahlung als geringer Prozentsatz des Zahlungsbetrags einbehalten. Für den bereich Museumsbahnen wäre der Einsatz dieser Systeme völlig neu, Interesse haben auch schon einige Bahnen angemeldet. Als problematisch könnte sich aber erweisen, dass von einigen Systembetreibern das Geld erst 21 Tage nach der Buchung an die Museumsbahn weitergegeben wird. Als Ansprechpartner für Fragen stehen Harald Elsner und Olaf Könen bereit.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Sitzung war die Diskussion über Tarife und Tarifstrukturen bei den Museumsbahnen. Insbesondere im Vergleich zu ÖPNV-Preisen bei Strecken vergleichbarer Länge werden die - meist historisch gewachsenen – Tarife der Museumsbahnen als teurer empfunden. Wie der AK feststellte, resultiert dies oft aus überwiegendem „Ein-Richtungs-Verkehr“, bei dem die meisten Fahrgäste am Zielbahnhof aussteigen und die Rückfahrt mit dem Fahrrad antreten. Auch die Tarifierung von Sonderfahrten, Gewährung von Rabatten für Kleingruppen (meist ab 10 bis 15 Personen) sowie die Ausgabe von Familienkarten wurden verglichen und diskutiert.

Zum Ende der Sitzung sprach Elsner das Phänomen an, dass oft bei bis dahin beliebten Fahrten die Nachfrage urplötzlich einbricht. Bei vergleichenden Untersuchungen der Bahnen habe sich gezeigt, dass in den einzelnen Regionen Umsätze für Museumsbahnen nur bis zu einem bestimmten Maße machbar sind.

Nach sechs Jahren unter der Leitung von Harald Elsner übernimmt nun Rainer Balzer die Leitung im Arbeitskreis Marketing und Vertrieb. Die Mitglieder dankten Elsner für die in den vergangenen Jahren für den VDMT geleistete Arbeit.

AK Bahnbetrieb und AK Dieseltraktion

Auch der AK Bahnbetrieb unter Leitung von Klaus Ulshöfer konnte in ungewohnt großer personeller Stärke tagen. Im Zentrum standen die am Vortag im Plenum vorgestellten neuen Bestimmungen für das internationale Fahrzeug-Einstellungsregister. Zahlreiche Detailfragen sind hier noch zwischen VDMT und Eisenbahn-Bundesamt EBA zu klären – so zum Beispiel die Pflichten des Halters bei der Vergabe einer Registrierungsnummer. Auch wurde diskutiert, in welchem europäischen Land die Fahrzeugeinstellung Vorteile für Museumsbahnen bietet. Weitere Themen der Sitzung waren das neue „Anreiz-System“ für höhere Pünktlichkeit, bei dem DB Netz bei schuldhaften Verspätungen 0,10 € pro Minute verlangt. Angesprochen wurde auch erneut als „Dauerbrenner-Thema“, ob PZB 90 als Zugangskriterium zum DB-Netz angesehen werden kann oder muss. Teilweise wurden die Themen auch im Arbeitskreis Dieseltraktion (AK-Leiter Bernd Heinrichsmeier) neben Diskussionen über die Sinnhaltigkeit von Notbrems-Überbrückungssystemen und Berichten über technische Probleme beim GSM-R-System fortgeführt.

AK Technik mit neuer Arbeitsgruppe

Unter Leitung von Rudolf Bräunert diskutierte der AK Technik unter anderem den Umbau von Schmalspur- in Normalspurweichen (und umgekehrt), neue Verfahren der Kesselwasser-Aufbereitung, die derzeit bei den Mansfelder Bergwerks-Bahnen getestet werden.

Angesichts der immer zahlreicher werdenden Unterlagen zu historischen Fahrzeugen – wie beispielsweise die aus dem ehemaligen Bw Limburg vor dessen Abriss an die Eisenbahn-Werkstatt Krefeld abgegebenen Dokumentationen – wurde aus dem Kreis des AK Technik eine neue Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, der Arbeitskreis „Zeichnungsverzeichnis“. Aufgabe dieser Arbeitsgruppe wird es sein, die in vielen Vereinen, bzw. bei deren Mitgliedern vorhandenen Zeichnungsbestände in einer Datenbank zu erfassen und diese Datenbank mittelfristig den Verbandsmitgliedern zugänglich zu machen. Die Leitung der Arbeitsgruppe übernehmen Thomas Fischer (BEF) und Carsten Wohlfarth (BEM), welche selbst über umfangreiche Bestände verfügen und schon seit mehreren Jahren an einem gemeinsamen Verzeichnis arbeiten. Erste Aufgabe wird es sein, ein Musterblatt für die Erfassung und Gliederung der verschiedenen Zeichnungen zu erarbeiten und dieses den Verbandsmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Im Anschluss sollen die bereits vorhandenen Zeichnungsverzeichnisse zusammengeführt und durch weitere bereits bekannte Verzeichnisse ergänzt werden. Langfristig ist auch eine Einstellung der Datenbank ins Internet geplant. Ziel ist es, die in vielen Bereichen zwar vorhandenen, aber vielfach nicht bekannten Zeichnungen den Verbandsmitgliedern bekannt zu geben und so immer wieder auftretende Fragen bei der Fahrzeugaufarbeitung so weit wie möglich zu klären. Die aufwändige Suche nach Unterlagen wurde bisher teilweise von mehreren Vereinen parallel ausgeführt. Auf diese Weise könnten sowohl die aufgewendete Zeit, als auch die teils hohen Gebühren bei der Suche nach entsprechenden Zeichnungen gesenkt und in die Projekte investiert werden.

Gelungenes Rahmenprogramm

Die Mitglieder der „Eisenbahn-Tradition e.V.“ hatten neben der anspruchsvollen Tagung auch ein attraktives Rahmenprogramm vorbereitet. Die per Bahn anreisenden Teilnehmer wurden per Sonderzug an den jeweiligen DB-Bahnhöfen abgeholt, zur gemeinsamen Abendveranstaltung ging es stilgerecht mit einem von V36 412 gezogenen historischen Personenzug, für die Fahrt zur Zentralwerkstatt in Lengerich und weiter nach Bad Iburg wurde 24 009 nur wenige Tage vor Ablauf der Fristen dem Donnerbüchsen-Zug vorgespannt.

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