Landeseisenbahn LippeAls neues Mitglied im VDMT ist die Landeseisenbahn Lippe e.V. (LEL) zu begrüßen. Sie ist eine jener Museumseisenbahnen, die nicht zu den „klassischen“ gehört – wenn darunter historischer Dampf- oder Dieselbetrieb verstanden wird. Die Landeseisenbahn Lippe e.V. (LEL) aus dem nordrhein-westfälischen Extertal fährt elektrisch und das seit nunmehr 30 Jahren.

Am 23. Januar 1985 wurde die heutige LEL als „Freundeskreis der Extertalbahn“ aus der Taufe gehoben. Eine Gruppe engagierter Eisenbahnfreunde hatte sich zum Ziel gesetzt, ein Stück Technikgeschichte zu bewahren, das die Region Nordlippe bis heute auszeichnet und im Laufe der Zeit zu einem Alleinstellungsmerkmal geworden ist: die elektrische Extertalbahn Rinteln – Bösingfeld – Barntrup, eine der wenigen seit ihrer Eröffnung mit Oberleitung ausgerüsteten privaten Nebenbahnen Norddeutschlands.

Diese Strecke, Ende der 1920er Jahre abschnittsweise für den Verkehr freigegeben, war seither von der Extertalbahn A.G., heute Verkehrsbetriebe Extertal GmbH (vbe), bewirtschaftet worden. Zwei in Deutschland einzigartige elektrische Gütertriebwagen und mehrere straßenbahnähnliche Personentriebwagen zeichneten den damals fortschrittlichen Betrieb aus. Indes war der Personenverkehr bereits in den 1960er Jahren wieder eingestellt worden; lediglich zu Touristikzwecken betrieben die vbe seit 1975 einen historischen Personenzug. Diesen Betrieb auszubauen und gleichzeitig die sterbende Staatsbahnstrecke Barntrup – Lemgo (Begatalbahn) zumindest baulich zu erhalten, war das Ziel des neu gegründeten Vereins.

Schon damals bewies der Vorstand Weitsicht und forcierte die Anschaffung einer Dampflokomotive als Publikumsmagnet, aus der schließlich 1989 mit der Inbetriebnahme der österreichischen 93.1410 Wirklichkeit wurde. Daneben war sich der Verein immer seiner Wurzeln bewusst und trotz der Umbenennung 1992 in „Landeseisenbahn Lippe e.V.“ blieb die elektrische Extertalbahn mit den bis heute am ursprünglichen Einsatzort erhaltenen Gütertriebwagen E21 und E22 das Aushängeschild der Museumsbahner.

Die folgenden drei Jahrzehnte waren ein mehr oder minder ständiges Auf und Ab; Erfolgen und Fortschritten folgten Risiken und Rückschläge auf dem Fuße. Ständige Fluktuation in Personal- und Fahrzeugbestand gaben dem Verein Leben, kosteten aber auch Kraft. Mitte der 2000er Jahre war die LEL schließlich breit und zukunftsorientiert aufgestellt: Aus der ursprünglich betriebenen Extertalbahn war nach der Übernahme der Staatsbahnstrecke durch die vbe 2002 die Gesamtstrecke Bösingfeld – Barntrup – Dörentrup geworden, der Teil nach Rinteln stillgelegt, der Anschluss nach Lemgo in Arbeit.

„Mit Dampf, Diesel und elektrisch durch das Extertal“ lautete der LEL-Werbeslogan, denn nach Übernahme einer Diesellok der Baureihe V65 im Jahr 2009 und einer Köf im Jahr 1996 sowie der Inbetriebnahme einer zweiten Dampflokomotive, „Emil Mayrisch N.3“, als Ersatz für die 1999 abgestellte 93.1410 konnten tatsächlich alle drei Traktionsarten abgedeckt und im Museumsbahnbetrieb dargestellt werden. Neben einem umfangreichen Fahrtenangebot auf der Hausstrecke, zu dem neben den Saison-Regelfahrtagen auch die Programmklassiker Nikolaus- und Osterfahrten sowie besondere gastronomische Angebote zählten, war es in den Jahren 2010 bis 2012 sogar möglich, den Wagenzug der LEL über Lemgo hinaus zu Zielen in der gesamten Umgebung, etwa Hamburg und Goslar, einzusetzen.

Zum 30. Jubiläum in diesem Jahr sind die Aufgaben, denen sich der Verein mit seinen derzeit etwa 200 Mitgliedern, darunter rund 30 Aktive, zu stellen hat, nicht geringer geworden. Gegenwärtig ist der Streckenabschnitt zwischen Farmbeck und Lemgo wegen verschiedener Baustellen gesperrt, so dass seit 2013 keine Fernfahrten mehr möglich waren. Die Museumsbahner haben sich jedoch zum Ziel gesetzt, noch 2015 wieder diese Strecke nutzen zu können.

Auch im Bereich der Fahrzeuge stehen erneut Veränderungen bevor. „Emil Mayrisch N.3“ wurde 2014 wegen Kesselabnutzungen verkauft. An ihrer Stelle soll nun die zwischenzeitlich nach Augsburg verliehene 93.1410 einer Aufarbeitung zugeführt werden, um langfristig wieder Dampfbetrieb in Nordlippe zu ermöglichen. An den Wagen stehen immer wieder Fristarbeiten und kleinere Reparaturen ins Haus. Auch der 2005 aus Beständen der DB-Fahrleitungsmeisterei Hameln angeschaffte Turmtriebwagen der Baureihe 701, unverzichtbares Arbeitsgerät der Museumsbahner, benötigt 2015 eine umfassende Revision.

Perspektivisch strebt die LEL eine Erweiterung ihrer Abstell- und Werkstattkapazitäten an. Vom vorhandenen Triebfahrzeugpark steht derzeit nur etwa die Hälfte unter Dach, von den Wagen überhaupt keiner. Die bauliche Situation im Heimatbahnhof Bösingfeld ist ausgereizt, so dass Alternativen entlang der Betriebsstrecke gesucht werden müssen. Diese Suche muss von einem durchdachten Betriebskonzept für die nächsten Jahrzehnte begleitet werden.

In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass viele Museumsbahnvereine ganz ähnliche Probleme haben. Immer wieder sind Berichte über sinkende Fahrgastzahlen und steigende gesetzliche Anforderungen an den Betrieb zu vernehmen. Vernetzung ist daher wichtiger denn je, um das gemeinsame Hobby zu koordinieren und miteinander statt nur nebeneinander her zu arbeiten. Von dem nun erfolgten Beitritt zum VDMT verspricht sich die LEL genau solche Impulse für ihre Arbeit und für die gesamte Region. Das Ergebnis könnten auf lange Sicht eine koordinierte Öffentlichkeitsarbeit oder der Austausch von Fachwissen, Erfahrungen oder Ersatzteilen bei der Fahrzeuginstandhaltung sein.

Getragen werden all diese Überlegungen letztlich von dem gemeinsamen Wunsch, das Technikdenkmal Eisenbahn noch für einen möglichst langen Zeitraum der Nachwelt zu erhalten und weitere Generationen dafür zu begeistern. Einen wesentlichen Grundstein hierfür hat die LEL mit ihrem Regionalprojekt „Jugend unter Dampf“ bereits gelegt, in dem ein Gepäckwaggon von 1929 über einige Jahre von jungen Leuten zu einem „Jugendwaggon“ aufgearbeitet worden ist.