Seit wenigen Wochen ist der Graf MEC Mitglied im VDMT. Dabei steht die Abkürzung des Vereinsnamens für Grafschafter Modell- und Eisenbahn-Club. Der Verein ist in der Grafschaft Bentheim ansässig und gehört zu den alten Vereinen, denn er ist schon am 9. Januar 1969 in Nordhorn gegründet worden. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, die Strecke Emlichheim – Bentheim (seinerzeit noch ohne den Titel „Bad“) der Bentheimer Eisenbahn (BE) im Modell (Maßstab 1 : 87) nachzubauen. Der Verein beschränkte sich aber nicht nur auf den Modellbau, sondern organisierte auch Sonderfahrten. 1977 führte er in der Vorweihnachtszeit Nikolausfahrten auf den Gleisen der BE durch. Damit war er nach der „Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr e. V. (IHS)“ der zweite Verein in Deutschland, der solche Fahrten anbot.

Der Erfolg war so überwältigend, dass diese Fahrten seither in jedem Jahr auf dem Programm des Vereins stehen. Dabei hat sich die Zahl der Fahrten und Bahnhöfe im Laufe der Zeit erheblich vergrößert. So wurden z. B. 2019 insgesamt 23 Zugpaare gefahren, die in vier verschiedenen Bahnhöfen gestartet sind. In den ersten Jahren musste der Verein auf Loks, Wagen und Betriebspersonal zurückgreifen, die die BE dem Verein für die Fahrten zur Verfügung stellte; denn der Schwerpunkt der Vereinsarbeit lag im Modellbau. Da gab es noch kein Interesse an der Beschaffung und Wartung von Eisenbahnfahrzeugen mit Ausnahme von zwei Handhebeldraisinen und einem Beiwagen, die für Vereinsausflüge genutzt wurden.

In den 1970er-Jahren wurde beschlossen, die Modellbahnanlage um den DB-Streckenabschnitt Bentheim – Salzbergen - Rheine zu erweitern und damit auf eine Länge von 65 m (!) zu bringen. Wegen der umfangreichen Gleisanlagen des Originals mussten jedoch erhebliche Abstriche gemacht werden. Nicht verzichtet wurde auf die Anlagen des Bahnbetriebswerks Rheine. Seinerzeit sorgte ein Physik-Professor als Vereinsmitglied dafür, dass die noch in den Kinderschuhen steckende Elektronik auf der Anlage Einzug hielt.

1999 gab es im Verein einen großen Umbruch. Da die Bentheimer Eisenbahn 1997 einen neuen zentralen Betriebshof in Nordhorn in Betrieb genommen hatte, waren die BE-Werkstatt samt Ringlokschuppen und Drehscheibe in Neuenhaus arbeitslos geworden. Die BE bot die historische Anlage dem Graf MEC zur Nutzung an, der den Gebäudekomplex als Eisenbahnmuseum reaktivierte. Hier wurden zunächst die historischen Wagen untergestellt, die die BE dem Verein zur Nutzung zur Verfügung gestellt hatte. 1999 kamen zwei vereinseigene historische Personenwagen, 2000 zwei historische Dieselloks, weitere Fahrzeuge folgten.

2008 gab es den ersten großen Schicksalsschlag für den Graf MEC. Die Frensdorfer Schule in Nordhorn, in der die Modellbahnanlage des Vereins stand, wurde geschlossen. Ersatzweise kann der Graf MEC seither einen Kellerraum in der Freiherr-vom-Stein Oberschule in Nordhorn nutzen. Da die alte Modellbahnanlage fest eingebaut war, musste sie aufgegeben werden. Ersatzweise wird nun eine neue transportable Modulanlage gebaut.

2009 konnte der Graf MEC in Rotterdam die ehemalige BE-Lok D 12 bekommen, eine MaK-Diesellok vom Typ 240 B, Baujahr 1957. Sie wurde von Vereinsmitgliedern in Nordhorn in 6.000 Arbeitsstunden (!) betriebsfähig aufgearbeitet, Abnahme am 9. November 2013. Mit ähnlichem Elan wurde die Aufarbeitung des vierachsigen Personenwagens 202 durchgeführt, den die Bentheimer Eisenbahn 1928 bei der Waggonfabrik Wismar zusammen mit fünf weiteren Wagen beschafft hatte. Drei von diesen ausschließlich für die BE gebauten Fahrzeugen sind heute beim Graf MEC zu finden.

2014 gab es einen weiteren Schicksalsschlag für den Verein: Bei einer gutachterlichen Untersuchung der Gebäude in Neuenhaus wurden erhebliche Bauschäden festgestellt. Der Graf MEC versuchte die für die Sanierung erforderlichen Geldmittel einzuwerben, was nicht im erforderlichen Maße gelang. Gemeinsam mit der Bentheimer Eisenbahn wurde nach einem alternativen Standort für die historisch wertvollen Fahrzeuge und Maschinen gesucht. Er fand sich in Nordhorn im Bereich des Klukkerthafens, ist Eigentum der BE und wurde zuletzt als Abstellgruppe für Güterwagen genutzt.

Am 9. Januar 2016, dem 47. Geburtstag des Graf MEC, konnte auf diesem Gelände der erste Spatenstich für eine neue Fahrzeughalle erfolgen, dem größte Projekt in der Vereinsgeschichte. Der Neubau wurde dem früheren BE-Lokschuppen von Laarwald nachempfunden. Um für historisches Ambiente zu sorgen, ist die Stahlkonstruktion der Halle mit Klinkeroptik-Elementen versehen worden, die Fenster stammen aus dem Lokschuppen in Neuenhaus. Inzwischen ist die Halle weitgehend fertig und die meisten Gleise sind verlegt, so dass die Graf MEC-Fahrzeuge und historischen Maschinen aus Neuenhaus hier untergebracht werden konnten.

Aus dem einstigen Modellbahnverein ist inzwischen ein Verein mit zwei Standbeinen entstanden. Es gibt die Gruppe „Modellbahn“, die die Strecke der BE im Modell nachbaut, und es gibt die Gruppe „Vorbild“, die ehemalige BE-Fahrzeuge betriebsfähig aufarbeitet und einsetzt, so dass Sonderfahrten mit einem stilreinen Zug der 1960er-Jahre veranstaltet werden. Einige Mitglieder haben sich auch zu Betriebseisenbahnern ausbilden lassen. Der Museumsbahnbetrieb ist inzwischen Schwerpunkt der Vereinstätigkeit geworden. 

Gerade für die Gruppe „Vorbild“ ist es wichtig, auf Erfahrungen anderer Vereine zurückgreifen zu können. Das kann man am besten bei VDMT-Treffen. Auch ist es wichtig, bei technischen und juristischen Fragen im Museumsbahnverkehr Rat einholen zu können. Dies hat auch – neben anderen Gründen - den Graf MEC dazu bewogen, Mitglied des VDMT zu werden.

Abschließend soll noch ein Blick in die Zukunft geworfen werden. Da will die Gruppe „Vorbild“ noch das historische Ambiente im Bereich des Klukkerthafens weiter ausbauen. Beim Abriss des Lokschuppens in Neuenhaus hat man den dortigen Wasserkran und die Drehscheibe ausgebaut. Beides soll vor der Fahrzeughalle wieder eingebaut werden. Parallel dazu läuft die betriebsfähige Aufarbeitung von Personenwagen. Bis 2028 soll der „Hundertjährigen Zug“ aus den Personenwagen 201 und 202 sowie den Post-/Packwagen 101 des Baujahres 1928 betriebsfähig hergerichtet werden. Daneben laufen aktuelle Arbeiten wie die Ausrüstung der Graf MEC-Lok D 12 mit PZB 90 wegen der Reaktivierung des SPNV bei der BE. Es gibt also noch viel zu tun.GM 2

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