lelEine der Institutionen, die im Rahmen des 2019 erstmals in Nordrhein-Westfalen aufgelegten Programms „Verkehrshistorische Kulturgüter“   Fördermittel erhalten hat, ist die Landeseisenbahn Lippe (LEL). Dem gemeinnützigen Verein im Nordosten von NRW wurden vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen für die Ertüchtigung und Rekonstruierung ihrer Oberleitung auf dem Streckenabschnitt zwischen Bösingfeld und Alverdissen 93.180 Euro zugewiesen.

Die LEL ist einer von mehr als drei Dutzend Bewerbern um Finanzmittel aus dem Topf des neu geschaffenen Förderprogramms für „Maßnahmen zur Bewahrung und Präsentation von verkehrshistorischen Kulturgütern“. Im April des vergangenen Jahres hatte das Landesministerium einen Programmaufruf an Vereine, Organisationen und Initiativen gestartet, die sich der Pflege dieser Kulturgüter widmen. Damit könnte das Bundesland zum Vorreiter in der Bundesrepublik werden, wenn weitere Länder folgen. Es handelt sich dabei um ein Förderprogramm, das nicht wie bislang der Neubeschaffung von historischen Kulturgütern dient, sondern auf deren Bewahrung und Präsentation ausgerichtet ist.

Bislang ließen sich Fördermittel nur dann generieren, wenn es um die Anschaffung eines neuen historischen Objektes ging. War es einmal erworben, gab es keine Möglichkeit mehr, für dessen Erhalt Fördergelder zu beantragen. Mit dem neuen Programm „Verkehrshistorische Kulturgüter“ hat das Land Nordrhein-Westfalen jetzt diese Lücke geschlossen – zumindest für das Jahr 2019. Ob das stark nachgefragte Förderprogramm auch 2020 und in den Folgejahren aufgelegt wird, ist noch unklar.

Mit den rund 93.000 € ist ein knappes Fünftel der auf landesweit insgesamt 500.000 € begrenzten Fördersumme an die Landeseisenbahn Lippe gegangen. Beworben haben sich 38 Antragsteller, die für ihre Projekte ein weit höheres Gesamtvolumen auswiesen, nämlich rund 1,8 Mill. €. Die meisten der Antragsteller mussten folglich leer ausgehen. Die hohe Zahl der Bewerber um Fördermittel zeigt, wie dringend notwendig im Bereich der historischen Mobilität eine finanzielle Unterstützung derjenigen ist, die sich dieser Kulturgüter annehmen, um sie einer breiten Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen.

Die Landeseisenbahn Lippe schätzt sich glücklich, mit Hilfe der Förderzuwendungilfe der Hil ihre Fahrleitung zu sanieren. Seit 2004 wurde die Extertalbahn, mittlerweile umgewandelt in die „Verkehrsbetriebe Extertal –GmbH“ (vbe) und Grundlage für Netz und Betrieb der Landeseisenbahn Lippe, von einer beispiellosen Serie an Diebstählen der kupfernen Fahrleitung heimgesucht. Die Extertalbahn ist eine der wenigen von Anfang an elektrisch betriebenen Privatbahnen in Norddeutschland. Sie verbindet Rinteln und Barntrup mit einer 26,5 km langen normalspurigen Strecke. Der Personenverkehr auf der Schiene wurde 1969 eingestellt, der Güterverkehr im Jahr 2001.

2005/06 übernahm der als „Freundeskreis der Extertalbahn (FkdE) e.V.“ gegründete, später um die Bezeichnung „Landeseisenbahn Lippe“ erweiterte Verein von den Verkehrsbetrieben Extertal die Pflege der Gleise. Es war damals die einzige Möglichkeit, die Strecke vor dem Abbau und dem Verfall zu bewahren, da sich die vbe nicht mehr in der Lage sah, die Instandhaltungskosten allein für den Betriebszweck Museumseisenbahn aufzubringen.

Diebe kamen mehrfach bei Nacht und trennten die Oberleitung auf mehreren 1000 Metern ab, um sie zu stehlen. In rein ehrenamtlicher Arbeit haben die Mitglieder des Vereins daraufhin die Fahrdrahtreste in Richtung Rinteln abgebaut und damit das Streckenstück von Bösingfeld aus bis Alverdissen wieder durchgehend bestückt, um den elektrischen Fahrbetrieb zumindest eingeschränkt aufrecht zu erhalten.

„Wir werden 40 Masten an diesem Streckenstück im eingebauten Zustand von Fachfirmen sanieren lassen“, freut sich der zuständige Projektkoordinator Raphael Kahlert der LEL über den positiven Bescheid aus Düsseldorf. Weitere 15 Masten sollen komplett ausgetauscht werden. Außerdem müsse der Verein seinen Eigenanteil erbringen: „Wir gehen von gut 1000 ehrenamtlichen Stunden für die Restaurierung der bestehenden Anlage bis Alverdissen aus. Dazu zählen das Vormontieren der Halterungen und Drahtklemmen in der Werkstatt, das Entrosten und Neulackieren der Isolatoren, das Erstellen von Stahlkörben zur Verschraubung der Masten und letztlich die Montagearbeiten mit dem vereinseigenen Turmtriebwagen auf der Strecke.“

Sonder- und historische Fahrten haben auf der Extertalbahn eine lange Tradition, die schon in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann. Ab 1972 wurden Nostalgie- und Kaffeefahrtenverkehr mit zwei historischen Personenwagen und zwei Gütertriebwagen aufgenommen. Unter dem Namen „Historische Elektrobahn“ verkehrte der Zug an einem Wochenende im Monat nach Fahrplan und auf Bestellung. Seit 1985 werden diese Nostalgiefahrten durch den Museumsbahnverein Landeseisenbahn Lippe e.V. durchgeführt und durch eine Dampflok bereichert. Die 93 1410 „Lipperland“ ist gegenwärtig nicht einsatzbereit, wird aber seit 2017 im Rahmen des Projektes „Smart Railway“ zur Entwicklung der Leader-Region Nordlippe und mit Förderung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie der NRW-Stiftung wieder instandgesetzt. Der Kessel ist bereits der Druckprobe unterzogen, die Lok wird zurzeit komplettiert.

Die vbe, mit der seitens der Landeseisenbahn eng zusammengearbeitet wird, begrüßt die Teilnahme an dem Förderprojekt „Historische Kulturgüter“ und den unermüdlichen Einsatz von LEL, der zum Erhalt der Nordlippischen Eisenbahnstrecken beiträgt. Die Förderung sei ein Beweis für die gute Arbeit des Vereins, erklärt vbe-Geschäftsführer Sven Oehlmann, der mit seinem Werkstatt-Team die Ehrenamtler mit Rat und Tat begleitet.

Mit der Instandsetzung der Oberleitung zwischen Bösingfeld und Alverdissen soll im nächsten Jahr noch nicht Schluss sein. Nach mehr als 15 Jahren brachliegender Elektrifizierung der Strecke zwischen Alverdissen und Barntrup soll auch dieses Teilstück in Angriff genommen werden. Zum 100. Geburtstag der Extertalbahn und des Gütertriebwagens 22 soll die „alte Dame“ – so nennen die Vereinsmitglieder die Ellok 22 – im Jahr 2027 wieder bis Barntrup fahren können. (Ingrid Schütte)

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