meiningenMeiningen war eine gute Wahl für die 77. Museumsbahnertagung des VDMT vom 31. Oktober bis 3. November 2019. Rund 120 Teilnehmer und Teilnehmerinnen reisten einen Tag länger als üblich an, um das Dampflokwerk mit Lokhalle, Anheizhaus und Kesselschmiede besichtigen zu können. Das 1914 gegründete Dampflokwerk Meiningen der heutigen DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH ist das letzte größere Instandsetzungswerk für Dampflokomotiven in Westeuropa, das sich in den vergangenen Jahren zu einem Kompetenzzentrum für historische Schienenfahrzeuge aller Spurweiten entwickelt hat.

In Zukunft soll die Besucher im Eingangsbereich die „Erlebniswelt Dampflok Meiningen“ erwarten. In der ehemaligen Kantine ist ein interaktives Museum geplant, das Besuchern Geschichte und Technik von Dampflokomotiven vermittelt sowie Einblicke in die Arbeit der Dampflokschaffenden ermöglicht. Das 9,7 Millionen € gewichtige kommunale Projekt entsteht in Kooperation mit der DB und dem Freistaat Thüringen. Baubeginn ist 2020. Die Bauzeit wird rund drei Jahre betragen, so Bürgermeister Fabian Giesder während der Begrüßung der Tagungsversammlung im Dampflokwerk Meiningen. Ziel der „Erlebniswelt“ ist es, zum Vorteil von Stadt und Bahn gegenseitige Aufmerksamkeit zu schaffen.

Die wohl bedeutendste Aussage des Gastgebers, vertreten durch den stellv. Werkleiter Thoralf Grob und den stellv. Vertriebsleiter Thomas Beyer, während der Begrüßung der Gäste in ihrem Tagungsraum war, dass die Geschäftsführung der DB in Frankfurt eine Bestandsgarantie für das Dampflokwerk Meiningen bis zum Jahr 2030 gegeben hat.

Auch der VDMT traf während dieser Herbsttagung nach eingehender und abschließender Diskussion eine wichtige Entscheidung: Der Verband wird zur Sicherung seiner Zukunft und Entlastung des Vorstandes eine Geschäftsstelle einrichten. Das entsprechende Votum der Mitgliederversammlung wird auf der Frühjahrstagung 2020 in Neustadt/Weinstraße eingeholt. Zurzeit laufen die Vorbereitungen. Die Versammlung hatte sich mit deutlicher Mehrheit grundsätzlich für eine Änderung der bisherigen Beiträge zur Deckung der Kosten ausgesprochen.

Mit den beiden Vorträgen zur CO2-Bepreisung und zum ETCS (European Train Control System / Europäisches Zug-Kontroll-System) wurden von den Referenten zwei aktuelle Themen aufgegriffen, die insbesondere die Betreiber von Dampflokomotiven vor neue Herausforderungen stellen. Unter dem Titel „Kostenfalle CO2-Bepreisung – Hintergründe und mögliche Konsequenzen des Klimaschutzprogramms 2030“ forderte Dr. rer. nat. Reinhard W. Serchinger für Museums- und Touristikbahnen eine Befreiung von der durch die Bundesregierung beschlossene Bepreisung mit der Begründung: Diese solle im Grundsatz zu einer alternativen Nutzung von Energiestoffen führen. Für Dampflokomotiven gebe es aber keine Alternative zur Kohle. Zudem betrage der Kohleverbrauch der gesamten VDMT-Mitglieder nur den verschwindenden Bruchteil eines einzigen Kohlekraftwerks, beispielsweise im Vergleich zum Großkraftwerk Mannheim nur 0,8 Prozent. – Der VDMT wird sich dieses Themas unmittelbar annehmen.

Der Sachverständige Eisenbahnbetriebsleiter Michael Frank setzte in seinem Vortrag zur „Nachrüstung des Zugsicherungssystems ETCS in historischen Fahrzeugen“ eine deutliche Zeitmarke für ETCS auf dem Streckennetz der DB. Sie wird ab 2024 laut Plan erste Pilotstrecken und Netzbezirke in Betrieb nehmen und sukzessive ab 2030 bis 2040 anfängliche Doppelausrüstung mit dem vorhandenen System abbauen. Die Deutsche Bahn steht aufgrund teils maroder Stellwerkstechnik unter erheblichem Zeitdruck. Die Umrüstung historischer Fahrzeuge sei möglich, wenn der Platz ausreiche; sei aber so teuer, dass es finanzieller Unterstützung – und entsprechender Lobbyarbeit – bedürfe. Frank sieht für geschlossene Netze eine Alternative in „Train CAS – Intelligence on wheels“, einem Sicherheitssystem, das für die Luftfahrt entwickelt wurde.

Aktuell auch der Überblick von Dipl.-Ing. Holger Kähler, Leiter Präventionsfeld Bahn der VGB, zur Arbeitsstätten- und Betriebssicherheitsverordnung und die Themen der Arbeitskreise. Jutta Trautwein, Kandertalbahn, rief im AK Marketing anhand des schon seit Jahren erfolgreichen Beispiels der Museumsbahnen in Baden-Württemberg zu mehr gemeinsamer Werbung auf. Michael Baaden, Brohltalbahn, erinnerte u.a. daran, dass vierteljährlich die Zahlungsfähigkeit eines Vereins durch dessen Kassierer zu überprüfen sei. Schließlich führte Martin Kilb, Selfkantbahn, der Versammlung noch die „Absurdität des Brexits“ vor Augen, indem er eine teure Rückführung der Straßenbahndampflok 4 „Rur“, die zurzeit in England betriebsfähig aufgearbeitet wird, prognostizierte.

Die Tagungsteilnehmer konnten außerdem einem elektronischen Indizieren beiwohnen, das Maik Drechsel, ET Lengerich und MEM, vorführte und für das im Werk Meiningen die Dampflok 50 3501 angeheizt worden war. Eine Dampfzug-Sonderfahrt mit dem Rhön-Zügle und Besuch des Freilandmuseums Fladungen rundeten die Veranstaltung ab.  (Ingrid Schütte)

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