titelDie Fachgruppe der Technikhistorischen Museen im Deutschen Museumsbund stellten ihre Herbsttagung 2019 im Emsland Moormuseum unter das Motto „Technik und Kulturraum“. Zu dieser Themenstellung könnte u. a. die Eisenbahn einen interessanten Untersuchungsgegenstand bieten, denn als technisch-soziales System hat sie Änderungen in Kulturräumen bewirkt und ist selbst auch Kulturträger. Bei dieser Veranstaltung ist das Motto anhand der Chemiebetriebe (Kulturraum Wolfen/Bitterfeld), der Torfindustrie (Kulturraum Emsland) sowie des Kohlebergbaus (Kulturraum Ruhrgebiet) ins Visier genommen worden.

Im Zentrum der Diskussionen standen

  • der Kulturwandel in den genannten Regionen vor, während und nach der industriellen Nutzung durch die prägenden Branchen,
  • die Behandlung des „Erbes“ nach Rückgabe der Kulturräume an die Bewohner und die gelebte Erinnerung der Menschen als Teilnehmer in Veränderungsprozessen (Erinnerungskultur) sowie
  • die Pflege historischer Technik und zeitgemäßer Produktdesigns im Rahmen musealer Schauproduktion.

Dort fanden sich auch Hinweise auf ganz reale Schwierigkeiten infolge aussterbender Berufe und mithin fehlender Fachkräfte für die Präsentation – Probleme wie sie auch die Museums- und Touristikbahnen kennen und aktuell mit großem Einsatz zu lösen versuchen.

Von Interesse war auch die Einbeziehung des Themas Zukunft: Mit Rückblick auf relevante, kulturprägende Zeitabschnitte wurde dem jeweiligen Zeitgeist entsprechende Kommunikation gezeigt, mit der gewünschte und dadurch realisierte Technik entwickelt bzw. verhindert wurde. Die Spannbreite bewegte sich vom Torfkraftwerk über den Transrapid bis zum fahrerlosen Automobil – ein heute höchst aktuelles Thema, das jedoch über Jahrzehnte hinweg keinen kulturellen Stellenwert zu haben schien.

Für Träger der Museumsbahnen bieten die Beiträge einen interessanten Einblick in die Aufbereitung soziokultureller Themen durch professionelle Museen. Die Vorträge können durch den Verband (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) zur Verfügung gestellt werden.

Das Emsland Moormuseum befindet sich in Geeste – Groß Hesepe. Die in Kreisen der Feldbahnhistoriker bekannte Heseper Torfbahn liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum. Im Museum selbst wird der großen Rolle von Feldbahnen in der Logistik der Torfwirtschaft neben der Fülle an Dokumenten auch durch einen ca. 1,5 km langen Rundkurs für die Besucher Rechnung getragen. Die Strecke verbindet einzelne Besichtigungspunkte im Freigelände sowie die beiden Ausstellungshallen. Im Freigelände ausgestellt ist ferner ein Feldbahn GmP mit hohem Erinnerungswert, denn auf der Heseper Torfbahn wurde bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts auch öffentlicher Personenverkehr durchgeführt. Für die Bewohner im Moor bestand damit eine im Vergleich zur Nutzung der Kanäle schnelle Möglichkeit, das Verwaltungszentrum Meppen zu erreichen.

Das Museum präsentiert in beeindruckender Weise viele für die Torfwirtschaft entwickelte und teilweise durch die Betriebe selbst hergestellte technische Systeme. Die Dampfkraft wird u.a. in Form von Lokomobilen zur Pflugbeförderung an verschiedenen Stellen repräsentiert. Als CO2-Emittent ist das Ende der Torfwirtschaft in Deutschland absehbar. Die museale Bearbeitung des Torfabbaus ist im Emsland Moormuseum in anspruchsvoller Weise angegangen worden. Eine Besuchsempfehlung ergeht hiermit nicht nur an die Mitglieder der Arbeitsgruppe Feldbahn im VDMT. (Hans-Jürgen Credé)

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