„Bildungsplattform Museum!?“ unter diesem Motto fand die Jahrestagung 2019 des Deutschen Museumsbundes vom 5. bis 8. Mai in Dresden statt. Ausrufe- und Fragezeichen verdeutlichen die gegenwärtige Standortsuche der öffentlichen Museen in der deutschen Bildungslandschaft. Wie den unbestrittenen Bildungs- und Vermittlungsanspruch umsetzen in einer Zeit schnellen gesellschaftlichen Wandels mit zunehmender Diversität des potenziellen Publikums? Wie auf dem Kongress offen ausgesprochen, erreichen die Museen gegenwärtig 3 bis 5 Prozent der Einwohner, so dass die Frage nach ihrer Relevanz als außerschulische Bildungsinstitutionen durchaus Handlungsbedarf signalisiert. Dies umso mehr, als sich offensichtlich auch die Anzahl der traditionell eher akademisch gebildeten Besucher mit Lerninteresse zugunsten heterogener Besuchergruppen mit ganz unterschiedlichen Erwartungen an den Museumsbesuch verändert. Viele Themen des Kongresses befassten sich daher mit der Suche nach neuen Formaten und der Frage, in welchem Verhältnis Bildung und Unterhaltung in der Arbeit der Museen stehen sollten, um ihre Attraktivität zu steigern. Dabei sollte der Vermittlungsarbeit Besucherforschung vorangestellt werden.

Der Deutsche Museumsbund hat hierzu einen Leitfaden („Hauptsache Publikum! Besucherforschung für die Museumspraxis“) erarbeitet, der auch für die Träger von Museumseisenbahnen von Interesse ist. (Mehr hierzu: Credé@vdmt.de) Ein Fazit des Kongresses überrascht nicht: Mehr Zielgruppenorientiertheit bei höherer Diversität des Publikums hat auch eine personale Dimension. Der Wandel in den Museen ist mithin durch Personalentwicklung zu begleiten – vom Aufsichtspersonal oder eher forschungsorientierten Kuratoren zu kommunikativen Akteuren der Vermittlung (durchaus mit kreativer Unterhaltungskompetenz).

Diese Erkenntnisse können auch für die Praxis der Museumseisenbahnen mitgenommen werden. Die in der Regel peinlichst genau In den eisenbahnbetrieblichen Belangen ausgebildeten Mitarbeiter (und Ehrenamtler) sollten nicht allein gelassen werden, wenn ein zunehmend heterogenes Publikum mit unterschiedlichen Erwartungen eine Fahrkarte kauft, die Sammlungen oder Ausstellungen besichtigt oder technikhistorische Zusammenhänge erläutert haben möchte. Ob dies durch museale Begleiter oder zusätzliches Training der Betriebler sichergestellt wird, muss der jeweiligen Situation in den Vereinen vorbehalten bleiben – aber stattfinden sollte es, denn Museumseisenbahnen bieten mehr als die Fahrt zwischen zwei Stationen. Jeder Schienenstrang hat eine Bedeutung, jedes Exponat eine Geschichte. Sie zu vermitteln muss uns wichtig sein.

Alles eine Frage der Ressourcen! Interessant ist daher ein auf dem Kongress vorgestellter Weg der museumsübergreifenden Nutzung von Mitarbeitern in Querschnittfunktionen: In der Prignitz teilen sich mehrere Museen einen Mitarbeiter für die Koordination von pädagogischen Veranstaltungen (einschließlich einer Museumseisenbahn) ...

Im Anschluss an die Haupttagung traf auch die Fachgruppe der Technikhistorischen Museen zusammen. Neben der Präsentation von experimentellen Wegen unter Einbeziehung der Besucher (z.B. im

MINT-Labor) erfolgte auch der Versuch der Aufbereitung von Zukunftsthemen aus der Welt von Roboting und Digitalisierung. Dabei wurde offenkundig: Microchips taugen nur schlecht für die museale Vermittlung. Als vorgelagerte Komponenten können sie aber evtl. revolutionäre Dienste leisten. So kündigte der Direktor des Verkehrsmuseums Dresden eine virtuelle Übertragung der Funktionsweise der Dampfkraft an, projeziert zum Beispiel auf den Zylinder der ausgestellten Sächs. IV k. Spätestens dann, wenn alle Fragen der Software/Lizenzen geklärt sind, sollten sich auch Museumsbahnen mit diesem Medium befassen. Damit bestünde schon vor Abfahrt des Zuges die Chance, zu vermitteln, was in der Lokomotive passiert.

Neuer Sprecher der Fachgruppe gewählt

Nachdem die langjährige Sprecherin der Fachgruppe, Prof. Dr. Rita Mueller, nicht wieder kandidiert hat, wählten die Mitglieder André Quade, Direktor des Museums in Schwerin, zum neuen Sprecher. In einem ersten Gespräch erklärte er sich dazu bereit, in einen Dialog zur Interpretation der ICOM-Kriterien einzutreten. Das wird zwar die Museumsbahnen nicht davon entbinden, neben dem Eisenbahnbetrieb vermehrt auch über die kulturhistorischen Ziele ihrer Arbeit zu kommunizieren, es wird aber sicherlich in der Welt der öffentlichen Museen zum Verständnis beitragen, dass das Format „Eisenbahnbetrieb“ zur Anwendung aktueller gesetzlicher Regelungen und mithin auch zur Veränderung historischer Exponate zwingt.

Zusammengenommen zeigte sowohl die Haupttagung als auch die Tagung der Fachgruppe, dass sich die Themen (Relevanz, Unterhaltungswert, Besucherorientierung etc.) bei öffentlichen Museen und Museumsbahnen gleichen. Die Zusammenarbeit vor Ort sollte daher gesucht bzw. vertieft werden (so wie in der Prignitz bereits mit Erfolg praktiziert).

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