Das Baden-Württembergische Landesmuseum für Technik und Arbeit (TECHNOMUSEUM) in Mannheim ist Gastgeber für einen bemerkenswerten Kongress gewesen: Die Fachgruppe Technikhistorische Museen im Deutschen Museumsbund feierte ihr 30-jähriges Jubiläum mit einer Bestandsaufnahme und einen Blick in die Zukunft der Museen. Wie stellen sie sich in einer Zeit großer Veränderungen sowohl bezüglich ihres Publikums als auch ihres gegenständlichen Bewahrungs- und Vermittlungsauftrages auf?

Naturgemäß müssen ihre Orientierungen unterschiedlich sein:  Auf bereits abgeschlossene Epochen wie z. B. der Schwerindustrie, der Textilindustrie oder des Kohlebergbaus ausgerichtete Industriemuseen richten ihren Blick auf die Veränderungen in der Zeit danach, suchen nach den neuen Identitäten der Menschen, ihrer Arbeits- und Lebenswelten. Eher technikorientierte Museen greifen aktuelle Highlights des technischen Fortschritts auf, investieren in neue Medientechnik, Formen der Interaktion und bieten Raum für experimentelles Erleben. Allen gemein sind jetzt jedoch Anstrengungen zur thematischen Erneuerung und Modernisierung ihrer Dauerausstellungen mit meist unterjährigen Angeboten zu ergänzenden Sonderausstellungen.

Vor diesem Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit den jeweils zur Verfügung stehenden Exponaten bzw. Sammlungen von Interesse. Ihre Potenziale für Aussagen als historischer Zeuge in konzeptionell geänderten Zusammenhängen scheint ein wichtiges Thema zu werden – nicht zuletzt aufgrund des nicht immer zielgerichteten Zustandekommens von Sammlungen infolge von Erbschaften oder Schenkungen etc. Eine Neubewertung der Exponate kann vor dem Hintergrund begrenzter Einlagerungskapazitäten zu Entscheidungen des „Entsammelns“ führen und erfordert Transparenz und Kommunikation zwischen den Entscheidern vor Aussonderungen zum Untergang von Exponaten. Umgekehrt bietet sie auch Chancen, dass vergessene Exponate in neuen thematischen Bezügen wieder das Tageslicht erblicken.

Die Tagung vermittelte Aufbruchsstimmung nach einer langen Phase von Mittelknappheit und Besucherstagnation. Berichtet wurde von gewaltigen Investitionssummen im zwei- und dreistelligen Millionenbereich, die von den überwiegend öffentlichen Trägern für bauliche Maßnahmen (Sanierungen von Altgebäuden, Anlage neuer Depots und Ausstellungshallen) und neue Medien für Präsentations- und Vermittlungskonzepte bereitgestellt werden. Dabei geht es auch um stärkere Integration der Museen in öffentliche Räume bzw. ihre Öffnung als kulturelle Zentren von Quartieren oder Regionen. Beispielhaft seien diesbezüglich nur auf das Deutsche Technikmuseum in Berlin oder das Weltkulturerbe Völklinger Hütte als Kulturplattform des 21. Jahrhunderts genannt.

Die Museumseisenbahnen sehen sich an der Schnittstelle zwischen Museen der Industriekultur und Technikmuseen. Die Mannheimer Tagung hat Anregungen vermittelt, die in der Branche noch nicht Allgemeingut sind: Die Befassung mit den Besuchern (Kundenstrukturen) und ihren veränderten Bedürfnissen und Ansprüchen an das Medium, das Angebot einer auch gegenwartsbezogenen Dauerausstellung mit ergänzenden Sonderausstellungen zu Schwerpunktthemen und die Auseinandersetzung mit der Qualität der Sammlungen und dem Wert für die museale Vermittlung. Umgekehrt sind die Museumseisenbahnen in der Regel Teil des öffentlichen Raumes, öffnen ihre Hallen für kulturelle Zwecke und vermitteln physische wie chemische Prozesse und ihr Ergebnis in Form von (Fort-)Bewegung und nicht nur experimental. Durch ihre betrieblich-technische Ausrichtung sind auch Gegenwarts- und Zukunftsthemen in ihrem Spektrum. Anpassungen von Exponaten an aktuelle oder zu erwartende rechtliche Regelungen sind eigenständige Elemente von Zeitgeschichte und können im geeigneten themenbezogenen Umfeld zusätzliche Aussagen treffen.

Mannheim war mithin Zeugnis, auf einem zukunftsgerichteten Weg zu sein, auf dem sich die professionellen und die ehrenamtlich getragenen Institutionen gegenseitig weiterbringen können. Der neue Antritt der professionellen Verkehrs- und Technikmuseen zeigt, dass Bewegung als musealer Wert stärker in die Vermittlungskonzepte Einzug hält. Im Deutschen Technikmuseum in Berlin findet das u. a. seinen Niederschlag in der EBO-gemäßen Reaktivierung der Anschlussbahn, der HU der beiden Drehscheiben, der Instandsetzung der Bekohlungsanlage und des Wasserturms. Mit der Erreichbarkeit des Museums mit Sonderzügen kann das Angebot von Inszenierungen erweitert und die Attraktivität des Hauses weiter gesteigert werden. Der VDMT wünscht den Akteuren viel Erfolg und freut sich auf eine enge Zusammenarbeit. (Hans-Jürgen Credé)

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