Die zurückliegenden Wochen waren erneut Anlass für bedeutende Jubiläen zweier VDMT-Mitgliedsorganisationen, die mit großer Öffentlichkeit begangen wurden: Am 15./16. September feierten die Eisenbahnfreunde Passau ihr 40-jähriges Vereinsjubiläum und vom 30.9. bis 3.10. stand der 15. Jahrestag der Gründung der Schwäbische Alb-Bahn e.V im Fokus von Eisenbahnfreunden und

Sympathisanten. Beide Vereine können auf eine erfolgreiche Rettung von Eisenbahninfrastruktur blicken, die auf Initiativen aus ihren Reihen zurückzuführen sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit stünden sowohl das Bw Passau oder die Ilztalbahn als auch die Schwäbische Alb-Bahn für eine eisenbahnbetriebliche Nutzung heute nicht mehr zur Verfügung, wenn nicht durch sie Potenzialanalysen und Perspektiven entwickelt worden wären, die letztlich auch Politik und Verwaltung überzeugen konnten. Zuvor waren bereits die jeweiligen Stilllegungsverfahren eingeleitet worden.

Beide Vereine haben zum Erhalt und der Nutzung dieser Infrastrukturen bis heute Großes geleistet, und schon längst sind die anfangs nur sporadisch mit ihren historischen Fahrzeugen befahrenen Hausstrecken wieder mit planmäßigem Eisenbahnverkehr belegt. Im Falle der Schwäbischen-Alb-Bahn steht sogar eine Angebotssteigerung aufgrund der Einbeziehung der Strecke in das SPNV-Vergabeprogramm der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg bevor. Aus den Vereinen haben sich EVUs entwickelt, die auch den Einsatz der von ihnen betreuten historischen Fahrzeuge managen und für ihr Instandhaltung bzw. Aufarbeitung und Wiederinbetriebnahme verantwortlich zeichnen.

Folglich war z.B. das SAB-Jubiläum mit der Wiedergeburt des württembergischen Personenwagens mit der Nummer 2740 verbunden – einem Zweiachser mit wechselhafter Staatsbahnen-, Ne-Bahn und Museumsbahngeschichte. Dieser Wagen wurde mit neun weiteren Wagen 1956 an die Mindener Kreisbahn verkauft und dort im Stil der Nachkriegszeit modernisiert, d. h. beblecht, mit Omnibusfenstern versehen und mit kunstlederbezogenen Sitzen ausgestattet. Entsprechend umfangreich war seine museale Aufarbeitung durch die SAB und verschiedene durch sie koordinierte Fremdfirmen. Insgesamt wurden neben den unzähligen ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden mehr als 180.000 Euro aufgewendet. Die Gäste der Jubiläumsveranstaltung konnten das Ergebnis in Augenschein nehmen und erkennen, mit welcher Akribie die museale Aufarbeitung erfolgt ist – war doch der 2740 im Jubiläumszug mit dem noch nicht rekonstruierten Schwesterfahrzeug 2732 gekuppelt, der noch im Outfit der 50-er Jahre unterwegs ist. Der nun wieder in Betrieb gegangene 2740 ist Bestandteil des sogenannten Württemberger Zuges, der zurzeit unter der Regie mehrerer Vereine entsteht.

Münsingen war aber auch in anderer Hinsicht bemerkenswert: Neben dem Vereinsjubiläum wurde auch das 125-jährige Streckenjubiläum der Bahnstrecke Reutlingen – Schelklingen gefeiert, die bereits im Jahre 1968 ihren zahnstangengestützten Mittelabschnitt zwischen Honau und Lichtenstein und im Jahre 1986 im unteren Abschnitt zwischen Reutlingen und Honau ihren Gesamtverkehr verloren hat. Bekanntlich konnte nach mehr als 30-jähriger Aufarbeitungszeit unter der Regie der Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein e. V. die ehemals hier verkehrende Zahnradlokomotive 97 501 vor fünf Jahren wieder in Betrieb gehen. Es war daher konsequent, diese Maschine an den Jubiläumstagen zwischen Münsingen und Engstingen einzusetzen.

An die große Tradition dieser Strecke wurde auch durch einen Festakt im Bahnhof Honau sowie auf dem ehemaligen Zahnradaufstieg am 1.10.2018 – diesmal per Buskonvoi – erinnert. Die Fortsetzung fand sich in mehreren sehr emotional geprägten Veranstaltungen auf allen Unterwegs-Stationen. „Aus einer bereits dem Tode geweihten Strecke wieder eine erfolgreiche Eisenbahn mit öffentlichem Personen- und Güterverkehr zu entwickeln, verdient allergrößte Anerkennung und Wertschätzung“ sagte VDMT-Vorsitzender Hans- Jürgen Credé. Er erinnerte in seinem Grußwort daran, dass es Eisenbahnfreunde und Eisenbahner im Ehrenamt waren, die der Strecke im Jahre 1999 nach vierjähriger Betriebsruhe  wieder neues Leben eingehaucht haben und in der Folge Politik und Verwaltung der Albbahn die Chance eröffnet haben, wieder bedeutende Verkehrsinfrastruktur auf der Alb zu werden.

Das SAB-Team hat die Chance genutzt und darf durchaus mit Optimismus in die Zukunft blicken: Baden-Württembergs Verkehrsminister Wilfried Herrmann kündigte in der Jubiläumsveranstaltung die Vergabe von SPNV-Leistungen auf der Achse Gammertingen – Schelklingen an und sah die Schwäbische Albbahn GmbH in guter Startposition. Auch der Albaufstieg zwischen Reutlingen und Münsingen sei wieder im Blickfeld der Politik – nun als Bestandteil des Projektes Regional-Stadtbahn Neckar-Alb und dann – zwangsläufig – auf neuer Trasse. Die gefühlte große emotionale Bindung zwischen den Menschen auf der Alb und ihrer Eisenbahn lässt die Durchsetzung des Projektes in mittelfristiger Perspektive sehr realistisch erscheinen.

Kooperation mit der Dampfbahnroute

dampfbahnroute klSchon seit geraumer Zeit kommen die Marketingexperten der süddeutschen Museums- und Touristikbahnen zusammen, um ihren gemeinsamen Marktauftritt abzustimmen und die Möglichkeiten der landesweiten Vermittlung ihrer Angebote auszuschöpfen. Eine vergleichbare Initiative mit Schwerpunkt in den östlichen Bundesländern stellt die „Dampfbahnroute Sachsen“ dar. Es ist daher naheliegend, die Ressourcen zum beiderseitigen Nutzen zusammenzubringen – dies umso mehr, als auch die langjährigen VDMT-Mitglieder VSE, IG Pressnitztalbahn und Traditionsbahn Radebeul die Dampfbahnroute unterstützen und ihre Infrastruktur nutzen. Die bislang eher regional ausgerichteten Marketingstrukturen der deutschen Museums- und Touristikbahnen können sich auf diese Weise ergänzen, ohne zusätzliche Kosten z.B. im Vertriebsbereich zu generieren. Die Dampfbahnroute Sachsen ist auch Herausgeber des „Dampfbahnmagazins“, das auch über Entwicklungen der Dampfbahnen in den angrenzenden Bundesländern (z.B. HSB, MBB, RüKB u. a.) regelmäßig berichtet. Die Kooperationsvereinbarung zwischen VDMT und der Dampfbahnroute wurde am 5. 10. im Rahmen der Leipziger Messe Spiel und Hobby unterzeichnet und wird ab 1. 1. 2019 wirksam.

(H.-J. Credé)