ZugklDie 73. Museumsbahnertagung des VDMT lockte mehr als 100 Teilnehmer Anfang November dieses Jahres in den Südwesten von Deutschland: Sie besuchten die Schwäbischen Alb-Bahn (SAB) in Münsingen und erfuhren die landschaftlich reizvolle Umgebung im Regel- und historischen Zug. Dazu erwartete sie ein Fachprogramm mit Kurzreferaten, Preisverleihung der Stiftung Deutsche Eisenbahn (SDE), ein Anwendertreffen des Online-Buchungssystems „Fahrkartendrucker“ und der begehrte abendliche Austausch in geselliger Runde.

Außerdem lernten sie die Unterkünfte und Tagungsräumlichkeiten im denkmalgeschützten „Alten Lager“, einer ehemaligen Truppenunterkunft aus dem Kaiserreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts, kennen. Das Areal wurde bis 2005 militärisch genutzt und wird jetzt touristisch erschlossen. Es ist Teil des Biosphärengebietes Schwäbische Alb.

Der Verein Schwäbische Alb-Bahn e.V. ist erst im Jahre 2003 gegründet worden und gehört damit zu den jüngsten Museumsbahnen im Lande. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat Vorsitzender Bernd-Matthias Weckler, der den Tagungsteilnehmern die wechselvolle und letztlich erfolgreiche Geschichte der SAB zwischen Gammertingen und Ulm vorstellte. Hier in Stichworten: 1892 gegründet, Teilstrecke im Zahnradbetrieb, 1969 Einstellungsbeginn, Reaktivierung über den „Ulmer Spatz“. Dank überzeugender Lobbyarbeit gibt es heute wieder Öffentlichen Personennah- und Güterverkehr sowie historische Fahrten. „Eine Bahn, die in der Bevölkerung angekommen ist“, so Weckler.

Von einer erfreulichen Entwicklung konnte auch Jens Reichelt, Vorsitzender der IG 3-Seenbahn berichten. Der Museumsbahnverein hat ein Handbuch „Dienstkleiderordnung der 3-Seenbahn“ verfasst, in der nicht nur festgelegt wird, welche historisch korrekte Uniform in welcher Funktion zu tragen ist, sondern auch welche Möglichkeiten es gibt, sich diese Kleidung heute in annähernd korrekter Form zu beschaffen. Nach anfänglicher Skepsis identifizierte sich das Personal laut Reichelt vollends mit diesem Konzept und trägt dazu bei, das gesamtauthentische Bild der Bahn zu prägen. Für eine vollständig neu aufgebaute Gleisanlage im Bahnhof Seebrugg erhielt die Interessengemeinschaft den Förderpreis der Stiftung Deutsche Eisenbahn 2017.

Um Authentizität und den Erhalt von Industriekultur ging es auch in der Präsentation von Torsten Bäz, zusammen mit Peggy Wunderlich Besitzer der traditionsreichen Manufaktur Cammann Gobelin in Braunsdorf bei Chemnitz, unter dem Titel „Historische Textilien im Bahnwagen“. Diese 1886 als mechanische Weberei gegründete Firma ist seit 2014 in neuen Händen. Bäz zeigte auf, wie die Firma historische Stoffe für Schienenfahrzeuge rekonstruieren kann. Das Engagement der neuen Besitzer reicht von dem Erschließen über das Experimentieren, Annähern und Fertigen bis zur Konfektion des gewünschten Produktes.

Matthias Kopitzki vom Arbeitskreis Regelwerk Dampflok-Instandhaltung referierte über die „Aktuellen Entwicklungen bei der Instandhaltung und dem Betrieb historischer Schienenfahrzeuge“ und stieß zum Thema ECM (Entity in Charge of Maintenance) einen Workshop an.

Eine Fahrt mit dem Dampfsonderzug von Münsingen nach Engstingen und eine Führung durch den Lokschuppen in Münsingen rundeten das Programm am Sonntag ab. Vor dem Zug die T3 Nr. 930 der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen e.V. (GES).

vorstand kl

 saal

 unterkunft kl

bus 1

bus 2

bahnhof

lok kl