stoomtrein dendermonde puursAktuelle Informationen, Exkursionen und die jährliche Mitgliederversammlung von FEDECRAIL erwartete wie gewohnt in der ersten Maihälfte die mehr als 100 Teilnehmer der Konferenz „Belgien 2017“ in Antwerpen. Damit war der europäische Dachverband der Museums- und Touristikbahnen nach mehr als zwei Jahrzehnten mit seiner Jahrestagung in das Land seiner Gründung zurückgekehrt: 1994 fand in Brüssel die erste Konferenz statt.

Die Arbeits- und Ausflugsprogramme gingen nahtlos ineinander über. Kernthemen des Hauptkonferenztages mit namhaften Referenten waren zum einen die Zusammenarbeit mit externen Organisationen und zum anderen die aktuelle Problematik von Kohle und Umweltschutz, insbesondere im Hinblick auf die Reduzierung von Emissionen.

Zu den wichtigsten Institutionen für FEDECRAIL gehört die ERA (European Union Agency for Railways), deren beratendes Mitglied der europäische Verband seit 2014 ist. Executive Director Josef Doppelbauer führte in seiner Präsentation über „Die Zukunft der Bahn in Europa“ den Anwesenden eindrucksvoll vor Augen, dass es höchste Zeit sei, das Innovationspotential des Transportmittels Bahn auszuschöpfen und seine Stärken vollends auszuspielen, um nicht den anderen Modi des Transportes, insbesondere dem Auto, den Vortritt zu lassen. EU-weiter Schienenverkehr als das Rückgrat der Wirtschaft verlange nach Kooperation, Wettbewerbsfähigkeit, Regulierungen auf EU-Ebene und technische Harmonisierung wie ERTMS. Doppelbauer stellte sich den kritischen Fragen des Publikums und begrüßte die Zusammenarbeit mit FEDECRAIL.

Ignacio Barron de Angioti, Director Passenger High Speed, präsentierte den internationalen Eisenbahnverband UIC (International union of Railways) und Projektmanagerin Vanessa Pérez das neue UIC-Projekt TopRail (Tourism Opportunities for Railways). Im Rahmen dieses Projektes haben FEDECRAIL, WATTRAIN (World Alliance of Tourist Trams and Trains) und der UIC ein „Memorandum of Unterstanding“ unterzeichnet mit dem gemeinsamen Ziel, den schienengebundenen Tourismus zu fördern. Henri Jacolin stellte mit der „Association Internationale d’Histoire des Chemins de Fer“, deren Präsident er ist, eine noch junge länder- und kontinent-übergreifende Organisation (gegründet 2002) im Bereich historischer Eisenbahnen vor, die sich insbesondere der Herausgabe von Publikationen widmet.

Mit seinem Referat über die „Reduktion der Emissionen von Dampflokomotiven – Probleme, Verbesserungen und Lösungen“ gab Dipl. Ing. Roger Waller von der Dampflokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (Schweiz), eine erste Antwort auf die Schwierigkeiten, die sich aufgrund des Energiewandels und des intensivierten Umweltbewusstseins für die Museums- und Touristikbahnen ergeben. Drs Renè van den Broeke berichtete darüber, wie die niederländische Stoomtram Hoorn Medemblik sich den Herausforderungen der Gegenwart stellt, ihre Maschinen behandelt, andere Kohle verwendet und unter anderem in Aktionen mit Kindern die Kommunikation pflegt. Der Vorsitzende des niederländischen Dachverbandes der Museums- und Touristikbahnen „Historisch Railvervoer Nederland“ (HRN), Kees Wielemaker, legte die Vorteile eines nationalen Fahrzeugregisters dar, das von HRN initiiert wurde, ebenso wie die Pluspunkte, die eine Kooperation mit anderen historischen Fortbewegungsmitteln erbracht hat.

Auf der Mitgliederversammlung stellte sich eine neue Arbeitsgruppe von FEDECRAIL vor, die Tramway Operators Group (TOG), die um Mitglieder wirbt. Neben den üblichen Regularien standen auch Wahlen an: Einstimmig wiedergewählt wurde Vize-Präsident Heimo Echensperger. In den Vorstand als designierter Nachfolger von Präsident David Morgan gewählt worden ist Jaap Nieweg, der bis zu seiner Pensionierung Geschäftsführer der „Stoomtram Hoorn-Medemblik“ in den Niederlanden war.

Das anschließende Exkursionsprogramm führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz nicht nur durch Belgien, sondern bis nach Deutschland und in die Niederlande. Freunde der Trambahnen kamen in Antwerpen, Thuin (Wallonien), Brüssel und Rotterdam mit Fahrten in historischen Fahrzeugen zu ihrem Recht. Besucht wurden außerdem unter anderem die „Stoomtrein Dendermonde-Puurs“, das „Stoomcentrum Maldegem“, das Museum der „Association pour la Sauvegarde du Vicinal“, die „Chemin de Fer à Vapeur des Trois Vallées“, das erst 2015 eröffnete Museum SNCB „Train World“ in Brüssel mit seinen beeindruckenden Inszenierungen und das Brüsseler Trambahnmuseum. Über die Grenze ging es zur schmalspurigen Selfkantbahn und zur Südlimburgischen Dampfeisenbahn-Gesellschaft (ZLSM).

Die nächste Jahreskonferenz findet voraussichtlich in der 2. Aprilhälfte 2018 in Edingburgh/Schottland statt.