Fotos: Ingrid Schütte

Mit Führungen durch das Museum Industriekultur Osnabrück und einer Feldbahn-Fahrt bei Sonnenschein begann der Samstag für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der 72. Museumsbahnertagung des VDMT, die in diesem Frühjahr die Osnabrücker Dampflokfreunde (ODF) ausrichteten. Inmitten der eindrucksvollen Industrielandschaft Piesberg hat der Verein sein Domizil.

Das Museum Industriekultur Osnabrück ist im Gebäudeensemble der ehemaligen Steinkohlenzeche Piesberg aus dem 19. Jahrhundert untergebracht und dokumentiert die Industrialisierung der Stadt und Region. Mittelpunkt des Museums ist das Haseschachtgebäude, in das die Besucher durch das Mundloch des Hasestollens geführt werden.

Die Feldbahnanlage ist teilweise auf noch erhaltenen alten Trassen wieder aufgebaut worden und gibt einen reizvollen Blick auf das Gelände des Steinbruchs frei. Die Fahrzeugsammlung des Museums für feldspurige Industriebahnen Osnabrück-Piesberg enthält auch die letzten bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts im Betrieb befindlichen Relikte.

Im stillgelegten Brecherwerk der Piesberger Steinindustrie von 1928, den die Osnabrücker Dampflokfreunde 2003 von der Stadt gepachtet haben, wird der Verein in etwas fernerer Zukunft seine Fahrzeuge geschützt unterbringen können. Noch stehen fast alle frei im Gelände des Zechenbahnhofes. Im oberen Teil des Brecherwerkes hat der Verein eine Werkstatt eingerichtet, im unteren Bereich haben die Aktiven bereits begonnen, Gleise zu verlegen. Hier sollen vier Stränge mit je 50 m Nutzlänge entstehen.

Der 1. Vorsitzende der ODF, Henning Hovermann, gab zu Beginn der Tagung einen kurzen Abriss der 30-jährigen Vereinsgeschichte. Aktueller Schwerpunkt ist die Aufarbeitung und der Betrieb eines stilreinen Personenzuges der frühen 70er Jahre. Um den Fahrgästen auch auf längeren Strecken mehr Komfort zu bieten, wird der Zug mit der historischen Diesellok V 65 001 und den zweiachsigen „Donnerbüchsen“ nach und nach um dreiachsige Umbauwagen ergänzt. Außerdem läuft parallel dazu seit anderthalb Jahrzehnten die Restaurierung der Dampflok 41 052, die die ODF in Osnabrück vom Denkmalsockel geholt haben und mit Unterstützung von Fachfirmen betriebsfähig aufarbeiten.

Von den „Reisequalitäten“ des Zuges konnten sich die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Abschluss der Tagung am Sonntagmittag während einer gut dreistündigen Sonderfahrt von Osnabrück nach Georgsmarienhütte und zurück selbst überzeugen. Zuvor hatten sie an zwei Tagen eine Vielfalt museumsbahnspezifischer Informationen erhalten, Vorträge gehört und die Jahreshauptversammlung des VDMT mit allen Regularien abgewickelt.

Das Programm begann mit einem Interview unter dem Titel „Jugend unter Dampf“. So ist eine innovative und nachhaltige Initiative der Landeseisenbahn Lippe (LEL) betitelt, die mit insgesamt drei Kulturförderpreisen ausgezeichnet worden ist. In deren Mittelpunkt steht der „mobile Jugendwaggon“, in dem Kinder und Jugendliche ihre Freizeit gestalten (EK 3/2017). Bernd Furch und Ingrid Schütte vom VDMT-Vorstand befragten dazu die beiden LEL-Mitglieder Jochen Brunsiek als Koordinator und Thorsten Försterling als Initiator des ungewöhnlichen und erfolgreichen Projektes. *1)

Zeichnungen und Pläne waren das nächste Thema. Als Fachmann erläuterte Daniel Saarbourg (Ulmer Eisenbahnfreunde) aus der Praxis, wie diese per Computer mit Scanner und passender Software wieder brauchbar gemacht werden können.*1)

Clemens Bongartz (Freunde der Eisenbahn Hamburg) stellte das FdE-Archiv und seine Geschichte vor. Er hat sich selbst dem Scannen und Archivieren von Dampflok-Zeichnungen verschrieben und reist zu diesem Zweck mit dem entsprechenden Equipment bei Bedarf durch ganz Deutschland. *1)

Harald Elsner vom Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn legte die möglichen Steuervorteile einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) dar, also einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, deren Tätigkeit von einem Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist. Es müsse abgewogen werden, ob die Steuervorteile groß genug seien. Er betonte ferner, dass diese Rechtsform nicht zwangsläufig bedeute, förderungswürdig zu sein.

Mit dem Titel „Der Weg zur Sicherheitsbescheinigung“ konnte Sebastian Pfaller von der Fränkischen Museums-Eisenbahn Nürnberg (FME) sicher sein, dass sein Vortrag auf großes Interesse stieß. Ist die Sicherheitsbescheinigung (SiBe) mit dem vorgelagerten Sicherheitsmanagementsystem (SMS) doch eines der Themen, die seit langem die Museumsbahnen bewegen. Die FME ist seit 1996 auch Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU). Pfaller berichtete von seinen Erfahrungen mit der Erstellung des SMS, Personen, Fahrzeuge und Technik betreffend, von den rechtlichen Grundlagen, Anforderungen und Richtlinien, von den Hilfen wie dem Leitfaden des Eisenbahnbundesamtes zur SiBe oder Beispielen anderer Bahnen. Die Hauptarbeit müsse jedes EVU jedoch selbst leisten. Das sei ein „gigantischer Aufwand“, der sich trotz aller Skepsis aber auch lohne und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterstütze. Auf den ersten Blick würden einige der geforderten Dokumentationen, Niederschriften und schriftlichen Fixierungen zwar nicht immer sinnvoll erscheinen, sich im Nachhinein aber doch von praktischem Wert erweisen. Wichtig sei es, dieses SMS dann auch zu „leben“, was bedeutet, dass es vom Eisenbahnbetriebsleiter, dem gesamten Vorstand und den Mitarbeitern der Museumsbahn getragen werden müsse. „In der Summe tun wir uns mit dem SMS leichter“ – so zieht Pfaller das Fazit und bekennt: „Viel Herzblut hängt daran. Wir hatten keine Wahl.“

Keine Wahl auch im Imissionsschutz. Christoph Sega, Selfkantbahn, machte klar, wie die juristische Seite dieses Themas speziell für Dampflokomotiven aussieht. Reinhard Serchinger, seit 1990 im Umweltschutz für Museums- und Touristikbahnen tätig, und der junge Jurist Sega gründeten spontan einen VDMT-Arbeitskreis „Umweltschutz und Emission“, für den noch weitere Mitstreiter gesucht werden. Zuvor hatte sich bereits der Arbeitskreis „Marketing“ vorgestellt, der auf der letzten Tagung ins Leben gerufen worden war. Auch hierzu möchten Rainer Balzer, Bernd Furch und Kurt Tatzel weitere Teilnehmer einladen. Die Kontakte sollen für eine effektive Arbeit über die Treffen während der Tagungen weit hinausgehen.

Mit einem weiteren Thema dieser Frühjahrstagung, dem Vortrag von Dirk Hildebrand zur „Bildungs- und Vermittlungsarbeit in (technischen) Museen“, der auch für Museumseisenbahnen relevant ist, werden wir uns noch beschäftigen.

*1) Zu diesen Berichten gibt es die Vorträge mit Bildern als Download im PDF-Format im internen Teil der VDMT-Webseite. Alle Mitglieder einer Museumsbahn, die Mitglied des VDMT ist, können den internen Bereich nach der Registrierung besuchen.